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Von der Amöbe bis zum Dinosaurier: Der Hofmaler der Tiere

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Immer noch tierisch lebendig: Sein Leben für die Tiere führt der ehemalige Tierparkmaler Reiner Zieger heute als Rentner in seinem Atelier in Brandenburg weiter.

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cam.cop media / Andreas Klug

Seine Bilder kennen Sie garantiert. Den Mann, der sie schuf, vielleicht erst jetzt, wenn Sie diesen Text gelesen haben. Reiner Zieger hat mit seinen Bildern Ikonen geschaffen, die sich im Gedächtnis der Stadt halten. Bei kaum einem schreiten die Elefanten majestätischer, galoppieren die Antilopen wilder. Reiner Zieger war lange Jahre der Tierparkmaler. Schautafeln, Plakate, Wegweiser im Tierpark und Zoo – alles aus seiner Hand. Dem KURIER hat Reiner Zieger aus seinem spannenden Leben mit Dathe und Co. in seinem Atelier in Brandenburg erzählt.

„Gibt es eigentlich ein Tier, welches Sie noch nicht gemalt haben?“ Die Antwort kommt prompt. „Nein!“, sagt Reiner Zieger (76) und schmunzelt. Man glaubt es ihm auf der Stelle. Von der Amöbe bis zum Dinosaurier – auf dem Zeichenblock und in natura hatte er sie alle vor sich. Und auch in diesem wunderbaren Raum voller Tierzeichnungen und -bilder gucken uns unzählige ganz lebendig wirkende Augen an. Rüssel, Hörner und Mähnen wirken, als würden sie gleich zum Leben erwachen.

Schon als Kind bemalte Reiner Zieger die grauen Zeitungsränder mit allerlei Getier, nahm er sich die große weite Tierwelt auf dem Zeichenblock mit nach Hause. Mit 11 Jahren im Zirkus und auf Tiershows schwang er den Bleistift, schnell besser als der Vater, ein Grafiker. Während andere in den großen Ferien an den Baggersee radelten, fuhr der Wurzener Reiner Zieger immer für zwei Wochen in den Leipziger Zoo. Die Exoten hatten es ihm angetan. Klar, dass auch der Berufswunsch des Jungen etwas mit Tieren zu tun hat. „Hätte ich als Kind gewusst, dass ich mein Leben lang Tiere zeichnen würde, hätte ich gejubelt“, sagt Reiner Zieger heute.

Doch nach dem Abitur steht zunächst ein Studium der Biologie oder Tiermedizin im Raum, aber die Zusagen bleiben aus. Zum Glück, muss man heute sagen. Denn schließlich bewirbt sich Reiner Zieger mit seinen Tierzeichnungen an der Fachschule für angewandte Kunst. „Tierzeichner hatten sie noch nicht. Ich bekam die Zusage sofort.“ Als wissenschaftlicher Grafiker, einer Studienrichtung, von der Zieger bis dahin gar nichts gewusst hatte, darf er während eines Praktikums zum ersten Mal Berliner Tierparkluft schnuppern.

Nach zwei arbeitsreichen Wochen wollte der berühmte Direktor, Professor Dr. Dr. Heinrich Dathe , höchstpersönlich die Ergebnisse sehen und meinte unvermittelt: „Herr Zieger, bleiben Sie mal einen Moment da! Hätten Sie nicht Lust, bei uns anzufangen?“ Was für ein Glücksmoment für Zieger!

An seinen Chef Dathe erinnert sich Reiner Zieger gern. „Wenn er mich mit meinen Zeichenutensilien auf seiner vormittäglichen Runde im Park aufstöberte, beanstandete er immer wieder, dass ich nicht frisch rasiert sei. Daraufhin ließ ich mir im Urlaub einen Bart wachsen. Da gab er sich endlich geschlagen.“ Auch durfte der junge Zeichner als einziger Mitarbeiter während des Dienstes im Tierpark kurze Hosen tragen.

Acht Jahre arbeitet Reiner Zieger unter Dathe im Tierpark Berlin als wissenschaftlicher Zeichner an der von Dathe geleiteten Zoologischen Forschungsstelle. Unter den strengen Augen des Jahrhundertdirektors entstehen in den folgenden Jahren Wegweiser, Plakate, Wandbilder und Werbeanzeigen, die stadtbekannt und geradezu zu Markenzeichen des Tierparks wurden.



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