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Ur-Prenzlbergerin Renate Stahn: Die Sommerzeit-Rebellin

Prenzlauer Berg -

Bei Renate Stahn (65) ticken die Uhren anders: Die Inhaberin des Zoo-Ladens an der Dunckerstraße boykottiert die Sommerzeit – im Alleingang. Auf Schildern teilt sie „lieben Kunden“ mit: „Meine Zeit bleibt die normale mitteleuropäische Zeit!“ Denn früher aufzustehen, schadet gleich dreifach: ihr selbst, den Tieren und dem Geschäft.

Kreislauf-Probleme, Müdigkeit, Schlafstörungen: Die innere Uhr vieler Menschen kommt mit der Zeitumstellung schwer zurecht. „Dieses Jahr war es nicht nur bei mir besonders schlimm, sondern auch bei den Vögeln im Laden“, sagt Renate Stahn, die seit 1973 in Zoo-Geschäften arbeitet.

Die Wellensittiche, Kanarienvögel, Reisfinken und Diamanttauben wirkten schlapp, wenn die Kunden nachmittags kamen. Stahn: „Die Tiere waren ja eine Stunde früher als sonst geweckt worden. Aber die Leute dachten, sie seien krank – und kauften nichts.“

Gut eine Woche schaute sich die Ur-Prenzlbergerin das Trauerspiel an. Dann hängte sie die Schilder auf: „Ich boykottiere diese Zeitumstellung und mache sie nicht mit! Bitte beachten Sie das bei meinen Öffnungszeiten.“

Stahn öffnet ihren Laden deshalb jetzt eine Stunde später, montags bis freitags von 11 bis 18 Uhr. Nur sonnabends bleibt es bei 9 bis 14 Uhr, „weil Leute im Prenzlauer Berg ja gerne etwas länger schlafen“.

Bei den Kunden des Geschäfts, das Stahn seit 2002 gehört, kommt der Protest gut an. Sie sagt: „Mich hat noch keiner für verrückt erklärt.“