E_Paper_BK
BERLINER KURIER - Berlins ehrliche Boulevardzeitung im Netz

Steffen Jacob: Der leise Tod des Puff-Prinzen vom Stutti

Steffen Jacob war der "Prinz vom Stutti".

Steffen Jacob war der "Prinz vom Stutti".

Foto:

imago/Sven Lambert

Berlin -

Er hatte einige der heißesten Nutten Berlins. Er feierte mit ganzen Horden Parties und fuhr die dicksten Kisten. Der "Prinz vom Stutti" hat leise abgedankt. Steffen Jacob starb am Dienstag mit 67 Jahren in einer Berliner Klinik. Zuvor hatte er seine letzten Tag im Pflegeheim verbracht.

Schon 1996 bezeichnete sich der Puff-Prinz als "Dinosaurier". Er gehöre zu einer aussterbenden Art. Die Russen-Mafia habe damals das Geschäft übernommen. Die gute alte Zeit, in der es noch Mann gegen Mann ging, sei vorbei gewesen.

"Mit einem dicken Bizeps allein, schafft es niemand ganz nach oben", sagte das Kiez-Gewächs dem KURIER einmal. Dabei gab es Zeiten, wo er wirklich noch der Prinz des Rotlicht-Milieus war. "Da hatte ich jeden Tag eine andere Braut, ein paar goldene Rolex und fuhr zwei von den Autos, mit der die Queen ihre Staatsbesuche macht", so Jacob damals.

Doch es wurde ruhiger um ihn. In den Jahren nach der Jahrtausende ließ er es schon ruhiger angehen, sammelte Swatch-Uhren, las Hermann Hesse. Auch wollte er andere vor seinen Fehlern bewahren. Er ging in Schulen und warnte Jugendliche vor roher Gewalt. Denn eigentlich las er in seiner Kindheit lieber heimlich "Pippi Langstrumpf" unter der Decke.

Erfahrungen im "Milieu", wie er zu sagen pflegte, hatte er einige. Kaum war er 18 geworden, da ging seine erste Freundin für ihn auf den Strich. Das war der Anfang von einem Leben zwischen Bratkartoffeln und Kaviar, Liebe und Sex, Leben und Tod. In seinem ersten eigenen Bordell erschoss sich ein Polizistenmörder, sein bester Kumpel "Stulle" starb mit einem Messer im Bauch, Claudine, die Namensgeberin eines seiner Bordelle, wurde umgebracht.

So mancher Beerdigung blieb er lieber fern, weil er nicht der Nächste sein wollte. Und als ausländische Banden in seinem Territorium abkassieren wollten, kam es zu einer Schießerei vor dem Evi-Club am "Stutti", die für einem Albaner mit einem Bauchschuss endete. "Er wollte von einem Kuchen naschen, der ihm nicht gehörte", kommentierte Jacob diese Begegnung.

Im KURIER-Interview sagte der Sex-Prinz schon damals, dass er in Ruhe alt werden und ein paar schöne Reisen machen wolle. Aber seine Vergangenhjeit bereute Steffen Jacob dennoch nicht. "Und könnte ich die Jahre zurückdrehen, ich würde nichts anders machen, nur das Falsche noch mehr auskosten."

2009 dann zog der Puff-Besitzer dann bei seiner Mutter wieder ein. Schlaganfälle und anderen Leiden machten ihm zu schaffen.

Steffen Jacob wollte nur der Prinz im Rotlichtmilieu bleiben. "König ist man nur, wenn man vier Fuß tief unter der Erde liegt", sagte er einmal. Berlin hat einen König verloren. PA