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Stasi-Akte Hinkel: Ich bin ein Opfer von IM Jens Peter!

Harald Schmutzler damals ...

Harald Schmutzler damals ...

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privat

Zwickau -

Es war das Jahr 1984 als Maik Uwe Hinkel in die Zwickauer Brahmsstraße 2 zog. Die Stasi hatte ihn dorthin beordert. Denn über ihm wohnte jemand mit interessanten West-Kontakten.

Der damals 24-jährige Harald Schmutzler hatte gerade sein Bauwesen-Studium in Leipzig beendet und war in seine Heimat Zwickau, ins Haus seiner Eltern, zurückgekehrt. Mit Frau und Tochter wollte Schmutzler sich dort eine Existenz aufbauen.

Nett und aufgeschlossen sei er gewesen, „der Maik“. Doch „der Maik“ war nicht an Harald Schmutzler selbst interessiert. Sondern an seinen West-Kontakten.

Auf einer Studienfahrt in Moskau hatte Harald Schmutzler den damals aufstrebenden SPD-Politiker Reinhold Robbe kennengelernt. Er besuchte ihn häufig, man hatte guten Kontakt. Und die Stasi wollte Genaueres wissen. Sie brachte an der Decke von Hinkels Wohnung eine Abhöranlage für Schmutzler an.

Zusätzlich schrieb Maik Uwe Hinkel seitenweise Informationen über seinen Nachbarn auf. Für 15 DDR-Mark pro Bericht. „Und er hat auch noch Sachen hinzuerfunden“, ärgert sich Harald Schmutzler, der damals von alledem nichts ahnte.

Nachdem Hinkel von einem Tag auf den anderen ausgezogen war (im Stasi-Jargon: „aus seinem Umfeld herausgelöst“), ging die Stasi Schmutzler offen an. Schmutzler gab das 1:1 an seinen West-Freund weiter, wollte aber gerne in der DDR bleiben. Es war doch sein Heimatland! Aber dann setzte die Stasi ihn mit seiner Tochter unter Druck.

„Sie wollen doch, dass die Kleine medizinisch versorgt wird, wenn sie mal krank ist, oder?“, fragten die Herren. Schmutzler sollte sich als IM verpflichten, sonst könne man für nichts garantieren, hieß es. Aber Harald Schmutzler blieb standhaft. Und stellte stattdessen 1987 einen Ausreiseantrag.

1988 kam er für zwei Wochen ins Stasi-Gefängnis Chemnitz und wurde danach mit seiner kleinen Familie in den Westen geschickt.

„Maik Uwe Hinkel hat mit seiner Arbeit die Grundlage für die Repressionen gelegt“, sagt Harald Schmutzler heute. Wie würde er reagieren wenn er Hinkel, der sich übrigens nie bei ihm entschuldigt hat, begegnet? Harald Schmutzler überlegt lange: „Ich glaube, ich würde einfach die Straßenseite wechseln.“ SKA