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Sport frei für den Krach!: In Berlin wird es bald noch lauter

 Susanne und Gerd Becker aus Ahrensfelde kämpfen gegen einen Sportplatz, den man ihnen direkt vors Haus setzte.

 Susanne und Gerd Becker aus Ahrensfelde kämpfen gegen einen Sportplatz, den man ihnen direkt vors Haus setzte.

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Bernd Friedel

Berlin -

Berlin Berliner Sportvereine jubeln. Bald darf auf ihren Plätzen lauter gekickt, gerannt, gesprungen werden. Denn der Bund will per Gesetzesänderung den Lärmschutz für Sportplätze in Wohngebieten lockern (der KURIER berichtete). Was des einen Freud, ist des anderen Leid. Anwohner fühlen sich noch mehr in ihren Rechten beschnitten, um sich gegen Sportlärm zu wehren.

Der Krach um den Lärm auf Sportplätzen ist den Vereinen schon lange ein Dorn im Auge. Die Beschwerden oder Anwohner-Klagen, mit denen Gerichte in der Vergangenheit geradezu überhäuft wurden, machen den Vereinssport fast unmöglich.

Beim Landessportbund (LSB) stehen 40 Problem-Plätze auf der Liste. So gab’s Einschränkungen für den Sportpark Staaken (Spandau). Sonntags-Ruhe von 13 bis 14 Uhr, von 14 bis 15 Uhr darf nur eines der zwei Felder genutzt werden.

Sportplatz 011

Der Sportplatz an der Cantianstraße. Hier droht Ärger durch Anwohner, die in die neuen Häuser ziehen. 

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Bernd Friedel

In die Sporthalle der Pankower Grundschule am Hasengrund (für vier Millionen Euro erbaut) dürfen abends keine Vereine mehr rein. Ein Anwohner hatte sich per Klage durchgesetzt. Nun sind Flüchtlinge in der Halle. In Dahlem setzen Anwohner von Luxuswohnungen durch, dass eine fünf Meter hohe Schallschutzmauer um einen Sportplatz gezogen wird. Und so fürchtet der SV Empor Berlin, dass auch ihm Ärger für seine Plätze an der Cantianstraße/Schönhauser Allee droht, da gegenüber eine Wohnsiedlung entstanden ist.

Der LSB hofft, dass – wie auf Spielplätzen – nun auch Lärm auf Sportplätzen gesetzlich zulässig sein wird. „Berlins Vereine befinden sich immer wieder rechtlich auf unsicherem Grund, sind im Zweifel auf die Kulanz der Anwohner angewiesen“, sagt Vize-Präsident Thomas Härtel. „Wir erwarten, dass durch eine Änderung des Bundesimmissionsschutzgesetzes diese Unsicherheit bald aufgehoben wird.“

 In Dahlem wurde eine fünf Meter hohe Schutzmauer um einen Sportplatz gezogen.

 In Dahlem wurde eine fünf Meter hohe Schutzmauer um einen Sportplatz gezogen.

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dpa

Auch der Senat sieht Handlungsbedarf. Am 4. März befasst sich der Sportausschuss mit der Lärmdebatte. „Seit Jahren reden wir über das Thema“, sagt Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußballverbandes. „Ich hoffe, dass mit der Gesetzesänderung nun die Klageflut abreißt. Viele Anwohner wissen doch, dass sie an einem Sportplatz wohnen und dass es dort auch laut werden kann.“

Diese Meinung können Susanne (54) und Gerd Becker (62) aus Ahrensfelde überhaupt nicht teilen. Kaum hatten sie ihr Haus bezogen, baute der örtliche Fußball-Klub ihnen einen Sportplatz direkt vor die Nase. Nur 33 Meter beträgt der Abstand zum Haus. „Der Lärm ist kaum auszuhalten, wenn eine der 16 Mannschaften abends bis 21 Uhr und länger trainiert“, sagt Gerd Becker. „Wir sind mit den Nerven am Ende. Für uns wäre die Gesetzesänderung eine Katastrophe.“

Denn kommt sie, kann das Ehepaar ihre Lärmschutzklage gegen den Verein vergessen. Laut Gesetzes-Entwurf wäre es sogar zulässig, wenn ein Haus wie das der Beckers nahe an einem Sportplatz steht – ab 30 Meter Entfernung, vom Spielfeldrand gemessen!



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