E_Paper_BK
BERLINER KURIER - Berlins ehrliche Boulevardzeitung im Netz

Seine fiesen Methoden: Die Stasi-Akte Hinkel

Maik Uwe Hinkel spitzelte für das Mielke-Ministerium

Maik Uwe Hinkel spitzelte für das Mielke-Ministerium

Foto:

imago

In den 80er-Jahren arbeitete Maik Uwe Hinkel (50), heute umstrittener Investor an der East Side Gallery, für die DDR-Staatssicherheit. Als IM „Jens Peter“ spitzelte er in Zwickau. Die Unterlagen, die dem KURIER vorliegen, zeigen, mit welch perfiden Methoden Hinkel vorging.

Der evangelische Pfarrer Edmund Käbisch (69), der die Stasi-Aktivitäten in Zwickau aufarbeitet, sagt über IM Jens Peter: „Er war laut Akten ein Spitzen-IM, der darauf geschult wurde, schwierige Aufträge und Observationen durchzuführen.“

Der Investor selbst streitet seine Stasi-Tätigkeit bis heute ab. „Herr Hinkel weist den Vorwurf, er sei Inoffizieller Informant bzw. Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR gewesen, entschieden zurück“, erklärte sein Anwalt bereits im April. Am Montag hörte sich das schon etwas anders an. „Herr Hinkel hat sich nicht für die Staatssicherheit der DDR verpflichtet“, so ein Sprecher.

Tatsächlich: In Hinkels Akte fehlt die unterschriebene Verpflichtungserklärung. Sie sei noch nicht auffindbar gewesen, erklärte die Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU). Auffindbar waren aber genügend andere Dokumente, die, laut BStU, eine eindeutige Zuordnung zu Maik Uwe Hinkel zulassen. Die Berichte umfassen mehrere Hundert Seiten. IM Jens Peter spitzelte u.a. in der Katholischen Studentengemeinde Zwickau (KSG) und schilderte damals detailliert, wie er vorging.

Hinkel, der offenbar erst Anfang der 80er nach Zwickau gezogen war, habe sich „generell an den kirchlichen Veranstaltungen interessiert“ gezeigt. Dabei ließ er sich vom MfS sagen, an welchen er teilnehmen solle.

Am 27.2.1984 schreibt Hinkel zum Beispiel: „Aus dem von mir übergebenen Buch sangen wir Lieder ... Während eines Liedes, wo es um das Geben ging, nutzte ich die Gelegenheit, um weiter für die Kinder Nikaragua zu sammeln. (...) nahm ich zufälliger Weise eins mit meinen Sammellisten weg, um das MfS auf diesen Personenkreis aufmerksam zu machen (...).“

Über einen Studenten wusste IM Jens Peter am 5.9. 1984 zu berichten: „Er will sich auch z.B. umsehen nach gleichgesinnten Studenten und sich außerhalb der KSG vielleicht in einer Wohnung mit diesen treffen, um über Partei und politische Arbeit zu sprechen. In diesem Zusammenhang bot ich ihm an, dass er auch meine Wohnung nutzen könne.“

Hinkel schreckte nicht einmal davor zurück, in der Privatwohnung eines angeblichen „Freundes“ zu spitzeln: „Die Abwesenheit von ... nutzte ich, um mich etwas in dessen Wohnung umzusehen. Neben einer Reihe von kirchlichen Büchern, war insbesondere ein Briefständer, der sich auf dem Schreibtisch von ... befindet, interessant.“ Dann beschreibt er detailliert, was auf Karten und Zetteln seines „Freundes“ stand.

Auch das klassische Aushorchen meisterte der als „zuverlässig“ eingestufte IM mit Bravour. „Sag mal, was würdest du antworten, wenn dich einer fragt, ob du unseren Staat akzeptierst?“, fragte Hinkel sein Opfer. Er stellte diese Frage unter dem Vorwand, eine alte Bekannte habe das von ihm wissen wollen.

Richtig perfide ließ es IM Jens Peter bei einer Party zugehen, die er organisierte: „Entsprechend der heutigen Beauftragung u. Instruktion werde ich ... zu einer ,Ausstandsfete’ in meine Wohnung einladen, wo ich nur ,vertrauenswürdige Kunden’ sehen möchte. So werde ich dazu (...) für die kommende Woche einladen. Dabei besteht das Ziel darin, pol. Diskussionen generell zu inszenieren um ... zu veranlassen unter Zeugen seine wahre pol. Haltung zum Ausdruck zu bringen.“

Ende Juni 1985 fand die Fete dann statt. Gegen 0 Uhr fingen die Anwesenden an, auf den Staat zu schimpfen, wie IM Jens Peter dokumentiert: „Sch...ministerium“, „Wir schützen unser Sch...-Land.“ Mithilfe dieser Berichte inhaftierte die Stasi am 22.10.85 schließlich einen der Party-Gäste, den Studenten Andreas R. Er bekam zwei Jahre und vier Monate und wurde später von der BRD freigekauft.

Von seinem Opfer Harald Schmutzler, bei der Stasi geführt als „Operativer Vorgang Verleumder“, kopierte Hinkel sogar zwei Schlüssel. Damit konnte sich die Staatssicherheit Zutritt zu Schmutzlers Wohnung verschaffen.

Dem KURIER erzählte das Opfer seine Geschichte. SKA


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?