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Berliner-Kurier.de | Ramadan-Tamtam: Kreuzberg verhängt Feier-Verbot für Christen und Muslime
29. August 2013
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Ramadan-Tamtam: Kreuzberg verhängt Feier-Verbot für Christen und Muslime

Das Ramadan-Fest darf andernorts in Berlin öffentlich gefeiert werden, wie hier auf der Karl-Marx-Straße in Neukölln.

Das Ramadan-Fest darf andernorts in Berlin öffentlich gefeiert werden, wie hier auf der Karl-Marx-Straße in Neukölln.

Foto:

Luca Abbiento [Aktion! Karl-Marx-Straße]

Kreuzberg -

Tanzen, viel Süßes naschen: Das Ramadan-Fest zum Ende der Fastenzeit ist einer der heiligsten Festtage im Islam. Ausgerechnet in Kreuzberg, wo jeder vierte Einwohner ein Muslim ist, darf es auf öffentlichen Straßen und Plätzen nicht gefeiert werden.

Das Bezirksamt verbietet es. Und die Behörde macht weiter. Sie belegt auch christliche Weihnachtsmärkte mit einem Feierverbot. Vor zwei Wochen wollten Kreuzberger Muslime ihr Ramadan-Fest (auch Zuckerfest) groß auf dem Mehringplatz mit allen Berlinern feiern – so wie es auch jährlich auf der Neuköllner Karl-Marx-Straße geschieht. Doch vom Bezirksamt gab es keine Erlaubnis. Erst als die Veranstalter nachgaben und das Fest in Sommerfest umbenannten, rückte die Behörde mit der Genehmigung heraus.

Friedrichshain-Kreuzberg verbietet als erster Berliner Bezirk ein Ramadan-Straßenfest! Und das ohne jegliche Rechtsgrundlage oder einen Beschluss. In der BVV-Sitzung machte CDU-Fraktionsvize Timur Husein jetzt den Skandal öffentlich. In der Sitzung fragte er, wie es das Bezirksamt mit der Religionsfreiheit halte, wenn es „Ramadan- und auch Weihnachtsfeste auf öffentlichen Straßen und Plätzen verbietet?“

Denn auch Christen werden mit dem behördlichen Feierverbot belegt. Der Weihnachtsmarkt am Spreewaldplatz bekam erst die Genehmigung, als er in Winterfest umbenannt wurde. „Der Bezirk zeigt sich so gern Multikulti. Doch wenn es um die Religion geht, hört es mit Multikulti auf“, sagt Husein. Zuständig ist Ordnungsstadtrat Peter Beckers (SPD).

Von der Weihnachtsmarkt-Sache wisse er nichts, zu dem Umbenennungsirrsinn sagt er nichts. Stattdessen klagt Beckers, dass es im Bezirk schon zu viele Feste gebe – 150 im Jahr. „Für mehr fehlt der öffentliche Platz“, so der Politiker. „Wenn man dann noch einer Religionsgruppe ein Fest erlaubt, muss man auch allen anderen ihre Feste erlauben.“ Er verweist darauf, dass man Ramadan-Feste genehmigt habe – auf Privatgrundstücken.