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Polit-Irrsinn: Die kolossale Schlacht um Thälmann

Prenzlauer Berg -

Die Ernst-Thälmann-Gegner kamen mit einer Spreng-Vorrichtung aus Pappe. Die Ernst-Thälmann-Fans schwenkten rote Fahnen und rote Nelken. Dazwischen verlief eine Mauer aus Polizei. Was kolossal kurios aussah, war eine erboste Schlacht der Weltbilder: Die FDP-Jugend demonstrierte für den Abriss des Thälmann-Denkmals, 150 Linke verteidigten „Teddy“.

Sie meinen es wirklich ernst. Die „Jungen Liberalen“ wollen, dass der 13-Meter-Bronzekopf an der Greifswalder Straße verschwindet. Um das deutlich zu machen, luden sie zu einer „symbolischen Sprengung“ des 1986 eingeweihten Denkmals – und sorgten damit bei manch einem Alt-Anwohner des Thälmannparks für Unmut. Verstärkt von DKP und Antifa sammelte sich die Gegen-Demo auf dem Vorplatz, noch bevor die rund 30 „Sprengmeister“ kamen.

Es ist kurz vor 13.30 Uhr, als die Enkelin von Ernst Thälmann ans Megafon tritt: „Mein Opa ist im KZ gestorben, heute wird er ein zweites Mal ermordet“, sagt Vera Dehle-Thälmann (54) unter Beifall. Sie erinnert an den Großvater (1886-1944) als Gegner der Nazi-Diktatur. Einige der vielfach älteren Zuhörer waren sicher schon vor 27 Jahren hier, als die Riesen-Büste des KPD-Chefs errichtet wurde. Die DDR-Führung verehrte ihn, benannte ihre Pionier-Organisation nach ihm. Genau da sieht die FDP-Jugend aber das Problem. In einem Flugblatt bezeichnet sie Thälmann als „Feind von Freiheit und Demokratie“ und als „Handlanger Stalins“.

Angesichts verhärteter Fronten ist die Stimmung schon mächtig aufgeheizt, als die „JuLis“ auftauchen. In Begleitung des Bundestagskandidaten Helmut Metzner (44) bringen sie Papp-Dynamit und Papp-Zeitzünder am Sockel des Denkmals an. Einige offenbar linke Fotografen pöbeln gegen die Aktion, die Polizei hält die Gegen-Demo zurück. Metzner sagt: „Das Denkmal ist eine Zumutung für Opfer des DDR-Regimes.“ Vorm Hintergrund der Debatte um eine weitere Bebauung des Thälmannparks (KURIER berichtete) findet er die Nutzung des Denkmal-Areals für Wohnungen sinnvoll. Geht es nach den JuLis, wird der Park umbenannt – nach der Nazi-Verfolgten Ella Kay (SPD).

Kritik der symbolischen Sprengung kommt von Stefan Liebich (Linke). Er sieht sie als Verzweiflungstat politisch unbedeutender „FDP-Jünger“. Am Rande der letztlich friedlichen Aktion taucht dann auch noch die Satire-Partei „Die Partei“ auf: Sie will ein neues Denkmal – von Wolfgang Thierse.

... und das meint KURIER-Autor Gerhard Lehrke in seinem Blog zum Thema "Thälmann".



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