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Mit Tempo 230 durch Berlin: Formula E verwandelt Karl-Marx-Allee in Rennstrecke

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Geschwindigkeitsrausch ohne Öko-Sünde Bei der Zieldurchfahrt der Formel E auf dem Tempelhofer Feld im Mai 2015

Eine der wichtigsten Motorsportveranstaltungen der Welt steigt im Mai mitten in der Berliner Innenstadt: Die Karl-Marx-Allee in der City Ost wird dann zum Austragungsort des Elektro-Autorennens "FIA Formula E Berlin ePrix 2016".

Am 21. Mai sollen Rennwagen mit Tempo 230 durch die Innenstadt rasen. An diesem Tag wird Berlin zum Schauplatz einer der wichtigsten Motorsportveranstaltungen der Welt. Bei der „FIA Formula E Berlin ePrix 2016“ treten neun Teams mit elektrischen Boliden gegeneinander an.

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Die 300 PS-Boliden sollen mit über 200 km/h am Alex vorbeirasen.

Foto:

dpa

Jetzt haben sich Veranstalter und Senat auf eine Strecke geeinigt. Nach Informationen der Berliner Zeitung streben sie an, das abgasfreie und fast lautlose Elektro-Autorennen auf der Karl-Marx-Allee in Mitte stattfinden zu lassen. Motorsport in der City Ost, auf einer der großen Straßen Berlins – das gab es noch nicht.

Flüchtlinge auf dem Tempelhofer Feld - darum zieht die Formel E um

Ursprünglich sollten die tonnenschweren batteriebetriebenen Autos auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof über das Vorfeld gleiten – so wie im vergangenen Jahr, als Berlin zum ersten Mal Austragungsort der Formel E war. Doch weil die Hangars jetzt als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden, musste sich die Fédération Internationale de’l Automobile (FIA) nach einem anderen Austragungsort umschauen.

Unterstützung bekam der Verband von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD), der sich für die Formel E einsetzt. Das Autorennen werbe für Elektromobilität, die auch in Berlin gefördert werden soll, so der Politiker. Einige Vorschläge wurden geprüft, unter anderem die Idee, die Rennwagen über die Straße des 17. Juni rasen zu lassen. Inzwischen aber gilt die Karl-Marx-Allee als Favorit.

„Unsere Verwaltung ist in enger Abstimmung mit dem Veranstalter, um das Event in Berlin zu halten und auch in diesem Jahr zu ermöglichen“, sagt Geisels Sprecherin Petra Rohland. „Und das, obwohl das Tempelhofer Feld nicht mehr zur Verfügung steht und die Rahmenbedingungen für alternative Strecken in einer verdichteten Metropole alles andere als einfach sind. Derzeit wird die Genehmigungsfähigkeit eines Alternativstandorts mit Hochdruck geprüft.“

Die Formel E hat im Januar einen formlosen Antrag gestellt. Start und Ziel soll am 21. Mai vor dem Kino International auf der Karl-Marx-Allee sein. Nach bisherigen Planungen werden auf der Nordseite des Boulevards Tribünen mit Steh- und Sitzplätzen für bis zu 14.000 Zuschauer aufgestellt. Auch gesonderte VIP-Bereiche für zahlungskräftige Sponsoren sollen dort entstehen.

300 PS-Boliden rasen am Alex vorbei

Nicht nur die Karl-Marx-Allee wird zur Rennpiste. Nach einer 180-Grad-Kehre dicht am Alexanderplatz können die 300 PS starken Boliden auf der Geraden zum Strausberger Platz auf mehr als 200 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Abgebogen wird dann nach rechts in die Lichtenberger Straße, in Höhe Singerstraße gibt es eine weitere Kehre. Anschließend wird der Brunnen halb umrundet bis zum nächsten Wendepunkt an der Neuen Weberstraße. Kurz danach biegen die Rennfahrer wieder auf die Zielgerade ein. Zwei Kilometer lang soll der Rundkurs sein.

Die Organisatoren scheuen offenbar keine Kosten. Sie haben sich schon bereit erklärt, in der Lichtenberger Straße den schlechten Straßenbelag zu erneuern, damit die Rennwagen dort ohne aufzusetzen rasen können. Auch doppelte Fangzäune und Leitplanken sollen am Rand der Rennstrecke installiert werden – so ist es Vorschrift.

Nach Einschätzung der Behörden ist es möglich, auf der Karl-Marx-Allee ein Autorennen zu veranstalten. Allerdings steht dem eigentlich die Straßenverkehrsordnung entgegen. Demnach ist es verboten, auf öffentlichen Straßen Rennen abzuhalten. Für die Avus in Berlin, auf der 1998 das letzte Rennen stattfand, sowie das Schleizer Dreieck in Thüringen, gelten aber Ausnahmen. Über eine Ausnahmegenehmigung für die Karl-Marx-Allee in Mitte muss der Senat noch entscheiden.