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Liebe? : Ein Paar Gründe, warum so viele Berliner Singles sind

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Ein großes Ego kann helfen, den rauen Alltag zu meistern. Aber die große Liebe leidet darunter.

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Liebe? Das Wort kennen viele Berliner, vor allem die aus Mitte oder Friedrichshain, nur vom Hörensagen. In der hippen Innenstadt wohnen mehr als 60 Prozent allein (in Mitte sind das fast 220000). Doch woran liegt das? Autor Michael Nast scheint die Lösung zu kennen.

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Michael Nast hat sich mit beziehungsunfähigen Berlinern auseinandergesetzt.

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Sabeth Stickforth

Lautes Klatschen, Jubel, Gekreische ertönt, als Michael Nast am Mittwochabend im Konzertsaal der Universität der Künste am Lesepult Platz nimmt. Sein Lächeln ist selbstbewusst wie das eines Popstars. Sein Publikum, größtenteils unter 40 Jahre alt, hat er wie sein neues Buch mit „Generation beziehungsunfähig“ betitelt. Nast ist, wie viele von seinen Fans, Single. Warum haben so viele Berliner keine Beziehung? Der KURIER nennt die Gründe:

In einer Stadt, in der gefühlt jeder dritte Mensch unter 30 „irgendwas mit Medien“ macht, wird nach Selbstverwirklichung gestrebt. Dazu gehört eine große Portion Egoismus. Denn wer für sich selbst die Nummer 1 ist, muss sich nicht abstimmen und kommt schneller ans Ziel.

Wenn es an Liebe mangelt, bringt Konsum schnelle Ersatzbefriedigung. Die Wirtschaft freut’s, aber Hand aufs Herz: Das schönste ist es doch, neben einem geliebten Menschen aufzuwachen.

Laut der Beziehungs- und Paartherapeutin Anna Lüßenhop ist es die Schnelllebigkeit der Großstadt, die es Menschen schwer macht, den richtigen Partner zu finden. Gerade junge Leute suchen ständige Abwechslung. Der Preis für diese Oberflächlichkeit ist oft Einsamkeit.

Dating-Apps wie „Tinder“, haben in Berlin Hochkonjunktur. Potenzielle Partner werden rein nach ihrem Aussehen bewertet. Für Anna Lüßhoop sind solche Portale wie „Warenhäuser“ – legitim, wenn es darum geht, schnell viele Leute kennenzulernen. Doch interessiertes Einlassen auf das Gegenüber bliebe oft auf der Strecke. Zur Vermarktung von Michael Nast gehört übrigens ein Jutebeutel mit dem Mantra: „Empathie gibt’s nicht im Appstore“.

Verantwortung übernehmen ist nicht leicht. 38 Prozent der 18 bis 34-jährigen Männer leben noch im „Hotel Mama“. Kein Wunder, wenn da vielen bei Schlagworten wie „Hochzeit“ oder „Kinderkriegen“ der Angstschweiß auf der Stirn steht. Und laut Nast sind Kinder eh ein Projekt für die zweite Lebenshälfte.