E_Paper_BK
BERLINER KURIER - Berlins ehrliche Boulevardzeitung im Netz

Knöllchen-Irrsinn in Friedrichshain: Wer hat hier einen an der Scheibe?

Knoellchen061_2

69 Knöllchen- Verfahren trotz Parkvignette: Peter Knaak hat sie alle in diesem dicken Ordner gesammelt.

Foto:

Thomas Uhlemann

Friedrichshain -

Bei der Jagd auf Parksünder ist das Ordnungsamt in Friedrichshain besonders eifrig. Obwohl Peter Knaak (58) eine gültige Anwohner-Vignette besitzt, bekommt er seit neun Jahren regelmäßig Knöllchen ans Auto gepappt. 69 sind es inzwischen – und ein Ende ist nicht in Sicht.

Der Knöllchen-Irrsinn spielt sich im Samariterviertel ab. Dort ist Peter Knaak zu Hause, und dort ist auch die Parkbewirtschaftungszone 30. Und für die holt sich der Friedrichshainer alle zwei Jahre brav die Anwohner-Parkvignette, bezahlt dafür immer 20,40 Euro.

Trotz Plakette haben die Ordnungsmitarbeiter den Mann im Visier. „Seit 2007 bekomme ich ständig Knöllchen“, sagt Knaak. Er zeigt einen dicken Ordner mit 69 Bußgeldbescheiden zwischen 10 und 30 Euro wegen angeblich fehlendem Parkscheines im Auto. „Dass man ein- oder zweimal die Vignette am Pkw übersieht, kann passieren“, sagt Knaak. „Aber was hier geschieht, grenzt schon an Willkür des Ordnungsamtes.“
Denn Knaak legte gegen jedes Knöllchen Einspruch ein – mit Erfolg. Alle Verfahren wurden von der Bußgeldstelle eingestellt. Aber die Knöllchen-Jäger machten weiter.
2014 waren die 45 Leute vom Ordnungsamt Friedrichshain-Kreuzberg besonders eifrig. 27 Knöllchen verteilten sie an Knaak, vom 12. bis 21. Juni 2014 sogar fast täglich. An einem Tag gab es sogar gleich zwei.

Peter Knaak fragte einen Kontrolleur, was das bitte alles soll. „Der erklärte mir, dass das daran liege, dass meine Vignette nicht vorne, sondern hinten an der Heckscheibe befestigt ist“, sagt Knaak. Doch das ist kein Fehler. Denn es ist nicht vorgeschrieben, wo die Vignette zu kleben hat. „Wichtig ist nur, dass sie gut sichtbar ist“, erklärt ein Polizeisprecher.

Um den Irrsinn zu beenden, klebte Knaak nun die Vignette an die Frontscheibe. Und was passierte? 2015 erhielt er dennoch 17 Knöllchen.

Übrigens: Der Verwaltungsaufwand für jedes Knöllchen kostet den Steuerzahler in Berlin 10,56 Euro. Bei den 69 im Fall Knaak sind es damit stolze 728,64 Euro. Die hätte sich das Ordnungsamt sparen können.



Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?