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Kein Strom, Gas und Heizung: Nach Kellerbrand am Weichselplatz: Wir bibbern uns ins neue Jahr!

Sven Buchholz macht sich Wasser heiß. Möglich nur mit Propangasflasche, Campingherdplatte.

Sven Buchholz macht sich Wasser heiß. Möglich nur mit Propangasflasche, Campingherdplatte.

Foto:

Lebie

Berlin -

Kein Gas, kein Strom, kein Wasser, kein Telefon, keine Heizung! Viele Hausbewohner des Eckgebäudes an der Fuldastraße/Weichselplatz (Neukölln) bibbern sich trotz milder Außentemperaturen ins neue Jahr und sind echt sauer auf die Vermieter.

Kurz vor Weihnachten gab es dort Flammen im Keller – offenbar das Werk eines Feuerteufels. Bei der Polizei heißt es: „Wir ermitteln wegen schwerer Brandstiftung.“ Klar, dass alle Leitungen sofort gekappt wurden. Mieter Sven Buchholz (45, Biologe): „Seitdem ist praktisch nichts passiert, obwohl das Haus an die Netze von Vattenfall, Gasag, Telekom wieder angeschlossen werden könnte.“ Ein Polizeisprecher bestätigt: „Am 23. Dezember haben wir den Tatort freigegeben, dann hätten die Reparaturen beginnen können.“ Im Haus gibt es 36 Wohneinheiten.

Mieter sagen: „Hier wird eindeutig die Sorgfaltspflicht verletzt. Die Vermieter halten ihre Versprechen nicht, wollten zum Beispiel Kosten fürs Hotel übernehmen, machten dann aber einen Rückzieher. Wir fühlen uns verhöhnt.“ So spielen sich im Gebäude Szenen ab, die auch aus dem 19. Jahrhundert stammen könnten. Kerzen spenden Licht, Toiletten werden mit Wasser aus Gießkannen gereinigt, nachts kuscheln sich Leute in extradicke Decken. Wie lange das so weitergehen soll, ist unklar. Ein Mieter: „Gerade waren Handwerker da, die wären auch über Weihnachten gekommen, bekamen den Auftrag aber erst am 27. Dezember.“

Seit zwei Jahren knistert’s zwischen den Mietern und neun Eigentümern, von denen drei im Haus wohnen. Die wollen den ordentlich wirkenden Gebäudekomplex mit Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau nach ökologischen Gesichtspunkten sanieren – Dämmung, neue Fenster CO2-Ersparnis. Es laufen etliche Prozesse. Mieter laufen Sturm gegen die Pläne, befürchten, sich die Wohnungen danach nicht mehr leisten zu können. Eine Hartz-IV-Aufstockerin rechnet vor: „Bisher zahle ich 470 Euro Miete im Monat. Nach der Modernisierung wären es 621 Euro. Damit läge ich über der Höchstgrenze, die das Jobcenter übernimmt und müsste ausziehen.“ SCHA