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Jobcenter Neukölln: Mit Kampfkunst in den Kundenkampf

Evelyn Schütz zeigt die richtige Körperhaltung.

Evelyn Schütz zeigt die richtige Körperhaltung.

Foto:

Thomas Lebie

Neukölln -

Auf dem Weg in Richtung Eingangstür verheißen wütende Zeichen nichts Gutes. „Ämter töten“ steht groß und grell an einer Betonwand geschrieben, blaue Farbbeutel-Kleckse prangen verschmiert an der Fassade. Keine dieser Hassbotschaften kann dem Beobachter entgehen. Jeder, der diesen Weg zurücklegt, spürt, dass das Jobcenter Neukölln ein schwieriger Ort sein muss.

Wie jeden Mittwoch passiert auch Evelyn Schütz die Frust-Attacken Einzelner mit ihrem schwebenden Gang. Sie sucht keinen Job, sie hat einen zu erledigen. Die 47-Jährige beherrscht in Perfektion die chinesische Kampfkunst Tai-Chi und ist vom Jobcenter Neukölln als Trainerin engagiert, um den Mitarbeitern die Kunst des Schattenboxens zu lehren. Denn jeder Tag an diesem Arbeitsplatz erfordert besondere Selbstbeherrschung, einen gestählten Geist und höchste innere Ruhe. Ein Balanceakt, den viele Mitarbeiter in den letzten Jahren nicht geschafft haben. Sie wurden krank.

„2011 hatten wir 25000 Ausfalltage, die meisten davon wegen Krankheit“, erzählt Geschäftsführer Klaus-Peter Hansen. „Aufs Jahr gerechnet entspricht das 125 Arbeitskräften, die einfach fehlen.“ Hansen sah „akuten Handlungsbedarf“ und startete eine Gesundheitsoffensive im Haus. Am Arbeitsplatz kann sich nun jeder mit Massagen, Lauftreffs, Burnout- und Konflikttrainer wieder ins Gleichgewicht bringen. Auch wenn das Angebot nicht zur Arbeitszeit gerechnet wird, ist es beliebt. Denn Entlastung im Job ist kaum in Sicht. Mit aktuell rund 78000 Hartz-IV-Beziehern ist das Jobcenter Neukölln Spitzenreiter in ganz Deutschland.

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