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Illegale Container: Das schmutzige Geschäft mit den Altkleidern

Lichtenberg -

Wie Pilze schießen sie aus dem Boden, von einem Tag auf den anderen steht wieder ein neuer Altkleider-Container in der Stadt. 86 Prozent der auf Lichtenbergs Straßen stehenden Container sind dort illegal - haben also keine Genehmigung. Damit ist jetzt Schluss!

Ordnungsstadtrat Dr. Andreas Prüfer hat dem Container-Wildwuchs den Kampf angesagt. „809 Container stehen in unserem Bezirk. 552 wurden auf öffentlichem Straßenland und Grünflächen aufgestellt, davon sind 475 illegal“, sagt Prüfer.

Vier Monate liefen Ordnungsamt-Mitarbeiter durch den Bezirk und erfassten die Altkleiderboxen. Jetzt erhielten alle Firmen eine Beseitigungsaufforderung mit Zwangsgeldandrohung. „Die meisten lassen ein Schuldbewusstsein erkennen. Wenn die Container bis Ende des Monats nicht weg sind, dann räumen wir sie kostenpflichtig“, sagt Wolfgang Mauermann, Leiter des Ordnungsamtes. Die größten Übeltäter sind übrigens der DRK mit 67 und Humana mit 62 illegal stehenden Containern. „Dabei beträgt die Gebühr nur drei Euro pro Monat.“, sagt Mauermann.

Warum lässt man die Container nicht stehen – schließlich sollen die gespendeten Kleider doch einem guten Zweck zugeführt werden. Denkt man. Denn diese Vorstellung stimmt nur zum Teil: „Von den 22 Betreibern arbeiten nur zwei karitativ. Die übrigen 20 sind kommerzielle Firmen“, sagt Mauermann.

Der Verkauf von Alttextilien ist ein weltweites Geschäft, zum Kilopreis werden die Klamotten an Händler verkauft. Viele Container gehören Firmen, die ausschließlich kommerzielle Zwecke verfolgen. Dabei setzten sie auf das Image der Spende, platzieren sogar Fotos von afrikanischen Kindern auf den Sammelboxen oder werben mit Sätzen wie „Projekte zur Verhinderung und Beseitigung von Armut und Not“.

Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) steht in der Kritik, da es ebenfalls gesammelte Kleidung weiterverkauft. Auf der Homepage wird erklärt, was mit dem Geld aus dem Verkauf geschieht: „Die Gelder müssen in satzungsgemäße soziale Aufgaben fließen, zum Beispiel Suppenküchen. Somit ist die Abgabe von gebrauchter Kleidung eine andere Form der Spende.“ Ein Kritikpunkt bleibt dennoch: Die Massenverkäufe von Alttextilien nach Afrika bringt die heimische Textilindustrie zum erliegen.
In Lichtenberg bleibt man jedenfalls am Ball: Ende des Jahres wird der Mitarbeitertrupp wieder durch die Straßen des Bezirkes ziehen und Sünder abstrafen. LEH