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Berliner-Kurier.de | Giftköder: Die Spur der Hunde-Hasser
20. May 2014
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Giftköder: Die Spur der Hunde-Hasser

Berlin -

Hunde-Hasser sind in der Hauptstadt unterwegs! Die Warnungen vor Gift-Ködern in den Parks häufen sich. Der jüngste Fall: Ein Passant alarmierte die Polizei in den Volkspark Jungfernheide. Die Beamten fanden am Heckerdamm Köder mit Pillen. Ein Überblick der Website Giftköder-Radar zeigt: Die Täter schlagen überall in Berlin zu.

Sie versetzen Wurst-Stücke mit Rattengift, spicken Hackbällchen mit Rasierklingen. Sie legen die Todesfallen an Wegesrändern, Parkbänken und in Erdlöchern aus. Unterm Strich wurden 88 Fälle binnen nur eines Jahres (Stand: gestern) registriert. Rein rechnerisch gibt es alle vier Tage einen Fund. In drei Prozent der Fälle, so heißt es bei „Giftköder-Radar“, kommt jede Hilfe zu spät. Der Hund, der den Köder verschluckt hat, stirbt qualvoll.

Bundesweit gibt es die meisten Giftköder-Funde in der Hunde-Hauptstadt Berlin, gefolgt von Köln, Leipzig und Hamburg. Die Polizei kennt das Problem, viele Hundehalter erstatten Anzeige. Die Aufklärungsquote ist aber gering: Man müsste einen Tier-Hasser schon in flagranti fassen.

Als Motiv hinter den Anschlägen vermuten Experten etwa Frust über Herrchen, die ihre Hunde ständig von der Leine lassen. Hinzu kommt die Wut über die „Tretminen“ in Parks. Eine Entschuldigung kann das natürlich nicht sein: Die Hunde sterben unter großen Schmerzen. So berichtete der KURIER im Dezember über Schäferhund Buster, der trotz sofortiger Hilfe qualvoll beim Tierarzt starb. Auch Labrador-Mischling Socke aus Potsdam hauchte sein Leben unter den Händen der Ärzte aus.

Umso entscheidender ist es, dass Herrchen rasch reagieren, wenn ihr Hund womöglich einen Giftköder verschluckt hat. Oft treten die Beschwerden erst nach ein paar Stunden auf – Durchfall, Atemnot, Zuckungen. Hundehalter sollten dann kein Erbrechen provozieren, keine Maulschlinge anlegen. Das Tier muss schnell zum Art, braucht Vitamin K als Gegenmittel.

Eine Hilfe für alle Herrchen ist es, wenn Betroffene aktuelle Funde bei „Giftköder-Radar“ melden (www.giftkoeder-radar.com). Die Infos werden auch als App fürs Handy angeboten. Derzeit häufen sich die Fälle in Mitte und Lichtenrade (siehe Google-Karte).

Die CDU will, dass im Land Berlin offiziell ein „Giftköder-Atlas“ eingerichtet wird. Die Grünen fordern ein Verbands-Klagerecht für Tierschutzverbände. Sie sollen Tierquälereien jeder Art selbst vor Gericht bringen, als Nebenkläger auftreten können. So könnten sie Druck machen, damit mehr Taten verfolgt werden. MOW