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Giftköder-Angst: Friss nicht oder stirb!

Berlin -

„Allie, nein!“ Kerstin (36) hat ihre Dalmatiner-Dame gut im Griff. Vor der Nase der Hündin (4) liegen Würstchen auf dem Boden – Allie schnuppert, guckt traurig, frisst aber nicht. Braver Hund! Brav sein ist wichtig in Berlin – zu oft spicken Hunde-Hasser die Wälder und Auslaufgebiete der Stadt mit Giftködern. Ein Kurs soll Hunden jetzt beibringen, die bösen Häppchen zu schmähen.

Die Lage ist ernst: Jeden Tag laufen auf der Facebook-Seite „Giftköderalarm“ neue Warnmeldungen ein. Die Kreativität der Hundehasser kennt keine Grenzen: Würstchen mit Nägeln, Buletten mit Gift und Rasierklingen.

Die Furcht geht um unter Berlins Hundebesitzern. „Beim Gassigehen ist man mit den Augen überall“, sagt Kerstin Ehlen dem KURIER. Die 36-Jährige und ihre Hündin Allie sind seit Jahren ein Team. „Wir gehen morgens um 4.30 Uhr spazieren. Da ist es dunkel – und ich habe Angst, dass Allie etwas findet, was sie nicht finden soll.“

Ein Kurs soll helfen. Trainerin Ariane Grigoleit-Pöpke (28) von „Dogworkz“ rief das Angebot (Kosten: 95 Euro für sechs Termine, www.dogworkz.de) ins Leben. Ziel: Finden Hunde Essbares, sollen sie es nicht fressen – sondern Herrchen oder Frauchen zeigen, dass es dort liegt. Basis ist ein Belohnungssystem. Die Idee: „Der Hund darf das, was er findet, nicht sofort fressen – weil er weiß, dass er etwas Besseres bekommt, wenn er es liegen lässt“, sagt Grigoleit-Pöpke. Wie lange es dauert, bis der Hund die Techniken (siehe Fotos) beherrscht, ist von Tier zu Tier unterschiedlich. „Bei vier Wochen straffem Training kann man gute Ergebnisse erreichen“, so die Expertin.

Wichtig ist es, dass die Besitzer ihren Tieren verdeutlichen, dass sie Freunde sind, keine Gegner. „Wenn der Hund etwas findet, sollte man ihm nicht hinterherlaufen. Er wird das als Konkurrenz sehen, im Zweifel wegrennen und das Gefundene schneller runterwürgen.“ Und wenn das passiert? „So schnell wie möglich in die Tierklinik“, sagt die Expertin. „Und im besten Fall sollte man wissen, was der Hund gefressen hat, Reste mitnehmen.“


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