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Frühlingsgefühle: Wenn die Hormone verrückt spielen

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Es wird wärmer, heller, alles scheint leichter. Zeit für einen Neuanfang. Neue Chancen.
Und eine neue Liebe?

Wie heißt es doch so schön: Im Frühling tanzen die Hormone, spielen regelrecht verrückt.
Einem wahren Rausch der Gefühle sollen wir ausgesetzt sein. Aber stimmt das eigentlich? Löst der Lenz Liebessehnsüchte aus? Oder ist das nur ein Mythos? Und warum starten wir jetzt gerade immer wieder mit Diäten und Sport? Ein Faktencheck. 

Flirten – warum sind gerade jetzt so viele aktiv?

Weil es vielen jetzt bessergeht. „Man spürt ein Gefühl der Aufbruchstimmung, ein Gefühl, Ballast abzuwerfen von der kalten dunklen Winterzeit“, sagt Matthias Weber, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). „Die Tage werden wieder länger, die Dunkelheit verschwindet und das führt dazu, dass man mehr Tatendrang bekommt.“

Das eine bedingt das andere: Wer glücklicher ist, geht beschwingter durchs Leben und ist offener für einen Flirt. Denn wer sich gut fühlt, kommt besser an. Also: Singles, auf zur Partnersuche – wenn nicht jetzt, wann dann!

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Nicht nur Menschen werden von Frühlingsgefühlen übermannt.

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Was passiert jetzt mit uns?

Es liegt am Licht, das uns in Wallung bringt und gute Laune schenkt. Über das Auge wird in der Zirbeldrüse im Gehirn das Schlafhormon Melatonin reduziert. Folge: Botenstoffe des Glücks – Hormone wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin – steigen. Hinzu kommt die psychologische Variante: Der Frühling wird als Erlösung vom Winter empfunden.

Blicken wir auf unsere Urahnen zurück. Sie hatten weder Licht noch Gas und Strom. Im Winter verkrochen sie sich in ihren Höhlen und Hütten, kamen erst wieder raus, wenn es wärmer wurde.

Das schlummert immer noch unterbewusst in uns, sind sich Forscher sicher. Allerdings in abgeschwächter Form, da wir heute künstliches Licht haben und heizen können. 

Daher eine der Thesen: Für unsere Hormone könnte immer Frühling sein. Aber wie bereits erwähnt: Psychologisch gesehen bedeutet der Frühling für viele ein Neuanfang – und daher starten sie gerade jetzt durch. Vor allem in der Liebe.
Sorgen optische Reize für das hormonelle Erwachen?

Natürlich sind kurze Röcke und T-Shirts reizvoller als Wollhosen und Boots. Psychologen führen aber nicht die reizvolle Kleidung auf Kontaktfreudigkeit zurück, sondern die Erwartungshaltung, dass jetzt etwas passieren muss. Nach dem Motto: Draußen tut sich was, also muss sich auch in meinem Leben etwas verändern. Und dazu gehört für viele ein hübsches, oft farbenfrohes Frühlings-Outfit.

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Auch bei ihnen gehen die Hormone durch.

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Lohnen sich jetzt Partnerbörsen?

Ja, denn auf die Idee kommen zurzeit ebenso Tausende andere einsame Herzen. Im Vergleich zum Herbst weist das Portal Parship.de jetzt schon elf Prozent, Elitepartner.de sogar 17 Prozent mehr Registrierungen aus. Im vergangenen Frühjahr sind bei Parship 5,2 Millionen Erstnachrichten (rund 12 Prozent mehr als im Herbst) verschickt worden. Besonders an Ostern steigt die Flirtlaune. Warum? Ganz einfach: Silvester nehmen sich viele vor, ihr Glück in der Liebe suchen. Ostern starten sie oft ihr Projekt, weil viele dann frei haben.
Und wie ist das mit den Diäten?

Das geht alles einher. Nach monatelangem Höhlen-Dasein während der kalten Wintermonate mit Chips und dicken Socken auf dem Sofa, wollen viele jetzt wieder aktiver werden, sagen dem Winterspeck den Kampf an. Dank der wärmeren Temperaturen essen viele auch nicht mehr so deftig. Es stehen wieder mehr Salate und Gemüse auf dem Speiseplan. Außerdem steigt die Lust auf Sport. Dieses Auferstehen der Aktivität empfindet der Körper als Glücks-Gefühl – und motiviert dazu, weiterzumachen.

Reden nur wir über Frühlingsgefühle?

Nein, auch in Nordamerika sind Frühlingsgefühle als „Spring Fever“ bekannt. Aber je näher man dem Äquator kommt, desto geringer sind die Unterschiede zwischen Tag und Nacht, zwischen Sommer und Winter. Umso weniger sind dort also Frühlingsgefühle feststellbar.

Wie geht es in der Tierwelt zu?

Ob Katzen, Frösche oder sogar Schlangen: Jetzt wird geworben, was das Zeug hält. Imponiergehabe, Balzrituale, Tänze: Die Männchen legen sich mächtig ins Zeug. Der Pfau schlägt stolz sein Feder-Rad, Schwäne schnäbeln und Vögel zwitschern lauter denn je. Füchse lassen ihre Damen bis zu Paarung nicht mehr aus den Augen.

Kröten verlassen ihre Winterquartiere, nehmen meist ihre Männchen huckepack und machen sich auf den Weg zu ihren Laichplätzen im Teich. Und dann gibt es noch die Paradiesvögel. Sie toppen alles, um die Gunst eines Weibchens zu gewinnen. Sie liefern sich „Ritterturniere“. Die Turnierplätze werden sogar geschmückt und während ihren Darbietungen knicksen die Männchen höflich in Richtung der Weibchen.

Na, wenn einem das nicht bekannt vorkommt. AKP