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Berliner-Kurier.de | Frank Baier: Der Patient, der sein Herz in den Händen hält
07. March 2016
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Frank Baier: Der Patient, der sein Herz in den Händen hält

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Zwei Jahre musste Frank Baier mit dem Kunstherz leben. Heute pumpt das echte Herz wieder.

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dpa

Berlin -

Sein zweites Herz bewahrt Frank Baier im Wohnzimmerschrank auf. Es ist eine künstliche Pumpe. Die Berliner Erfindung, die heute 30. Geburtstag feiert, rettete ihm das Leben. Im KURIER erzählt er, wie er mit zwei Herzen in der Brust lebte und wie glücklich er nun ist – nach Jahren des Bangens wieder ohne Kunstherz.

Ihm wurde schlecht, er bekam keine Luft, seine Frau holte den Rettungswagen. Als Frank Baier (Name geändert) im Krankenhaus wieder aufwacht, schlagen zwei Herzen in seiner Brust. Kabel ragen aus seinem Bauch, die das künstliche Herz mit elektrischen Akkus und einem Controller verbinden. „Meine ersten Gedanken waren: Wo bin ich hier, was liegt da neben mir?“ Er hatte eine schwere Herzmuskelentzündung bekommen, sein eigenes Herz war zum Schlagen zu schwach geworden.

Erst nach und nach versteht der ehemalige Händler, dass er nun Tag und Nacht auf das künstliche Herz angewiesen ist. Die Akkus mussten alle sechs Stunden geladen werden, auch im Auto oder auf Reisen. Würde er es versäumen, wäre das lebensgefährlich. Wenn er nachts schläft, muss er die Akkus an der Steckdose laden

„Das Schlimmste war, dass ich nicht mehr duschen oder baden durfte“, erinnert sich Frank Baier Die Gefahr eines Kurzschlusses oder einen neuen Infektion war zu groß.

Doch der 50-Jährige zählt zu den Patienten, die Glück hatten. Nach seinem Zusammenbruch im Januar 2011 kann ihm zwei Jahre später das Kunstherz wieder entfernt werden. Sein altes Herz schlägt heute wieder ganz normal. Das Alte liegt im Wohnzimmerschrank.

Anders als andere Muskeln kann sich das Herz bei Untätigkeit regenerieren. „Beim Herzmuskel gelten andere Mechanismen, die noch nicht alle erforscht sind“, sagt Thomas Krabatsch, Oberarzt am Deutschen Herzzentrum Berlin.

Als der Berliner Arzt Emil Bücherl im 7. März 1986 dem ersten Patienten ein Kunstherz einsetzte, galt das als Sensation. Seither hat sich in der Entwicklung viel getan. „Noch vor zehn Jahren wurden die Pumpen mit Kompressoren angetrieben, die so groß waren wie ein Kühlschrank“, so Herzexperte Krabatsch. Die Zahl der jährlich implantierten Kunstherzen hat sich in Deutschland von 2005 bis 2015 auf 1000 Stück fast verdreifacht.

Am Herzzentrum in Berlin erhielten seit 1986 2200 Patienten eine künstliche Pumpe. Die Tendenz ist weiter steigend, denn die Spenderherzen decken nicht den Bedarf ab.


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