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Fahrrad-Werkstatt: Flüchtlingsheim wird zum Radhaus

Ahmadshah Morodi und Otto Minte im Werkstatt-Container.

Ahmadshah Morodi und Otto Minte im Werkstatt-Container. Der Hausmeister gibt Hinweise – und der Mann aus dem Volk der Hasara versteht sie. Er spricht nach neun Monaten schon leidlich deutsch.

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Gerhard Lehrke

Zehlendorf -

Ahmadshah Morodi (35) schraubt an einem klapprigen Kinderfahrrad, als ob er nie etwas anderes getan hätte. Das ist auch kein Wunder: Der Afghane ist Automechaniker. Dankbar nutzt er die Chance, in der neuen Fahrrad-Werkstatt seines Flüchtlingsheims mitarbeiten zu können.

Die mit 340 Menschen voll ausgelastete Gemeinschaftsunterkunft am Hohentwielsteig, vom Arbeiter-Samariterbund (ASB) betreut, bekam von der Spedition Ullrich und der Funk-Gruppe (Versicherungsmakler) einen Container spendiert. Darin können Flüchtlinge Fahrräder aufmöbeln und warten.

Schweißer Aws Al Gburi aus Bagdad

Schweißer Aws Al Gburi aus Bagdad pumpt einen Reifen auf, bevor er sich dem defekten Rücklicht widmet.  

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Gerhard Lehrke

Rund 100 Räder unterschiedlicher Größe und Erhaltungszustände wurden von Zehlendorfern abgegeben. Heimleiter Uwe Radzkowski (56): „Wir verfolgen mehrere Ziele. Die Flüchtlinge sollen in der Umgebung mobil sein. Vor allem die Frauen sollen Radfahren lernen. Und die sollen mit den Verkehrsregeln vertraut gemacht werden – besonders die Kinder.“ Dafür werden sie im Verkehrskindergarten Brittendorfer Weg üben können.

Die Arbeit an den Rädern soll auch die Verantwortung für die Zweiräder stärken – das eigene Rad behandelt man pfleglicher.

In der Werkstatt stehen den Flüchtlingen Ehrenamtliche und der Hausmeister Otto Minte (56) zur Seite. Der hat einen Schraubstock mitgebracht und Schmiermittel: So manches Vehikel quietscht erbärmlich.

Abulfasil macht eine Probefahrt – die ganze Familie kann Radfahren – und stellt fest: Der Dynamo schnarrt.

Abulfasil macht eine Probefahrt – die ganze Familie kann Radfahren – und stellt fest: Der Dynamo schnarrt. 

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Gerhard Lehrke

Morodis Sohn Abulfasil (13), der mit den Eltern und drei Geschwistern seit neun Monaten in Berlin ist, findet bei einer Probefahrt aber heraus, dass das schnarrende Geräusch vom defekten Dynamo kommt.

Es bleibt also viel zu tun – aber die Flüchtlinge sind findig: Der Iraker Aws Al Gburi (28), ein Schweißer, bändigt ein zerfallendes Rücklicht mit Klebeband. Geht.



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