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Es ist ein Wunder: Sensations-OP rettet unser Baby

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Baby John (9 Monate) mit seinen zwei Mamas Maja (li. 39) und Mandy (41): Eine noch kaum erforschte OP-Methode rettete ihm das Leben. 

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Thomas Lebie

Berlin -

Als Baby John (9 Monate) zur Welt kommt, stehen seine Überlebenschancen schlecht. Es wurde mit einem schweren Herzfehler geboren. Eigentlich hätte es keine Chance gehabt. Doch jetzt können seine Eltern wieder lachen: Dank der Entscheidung einer mutigen Ärztin und einer speziellen OP-Technik, die weltweit bisher nur 15 Mal angewendet wurde.

In der 13. Schwangerschaftswoche gingen Maja (39) und ihre Lebenspartnerin Mandy (41) zur normalen Ultraschall-Untersuchung. Dann der Schock: Das Ungeborene hat einen schweren Herzfehler. Eine Herzklappe funktioniert nicht. Der Junge hat auch Löcher im Herzen. Da Kinder mit dieser Diagnose oft auch am Downsyndrom leiden, empfehlen die Ärzte einen Schwangerschaftsabbruch. „Doch John hat so kraftvoll in meinem Bauch gestrampelt, dass wir uns für ihn entschieden haben“, sagt Maja.

Am 5. Mai kommt der Junge zur Welt: Vier Kilo schwer, 52 Zentimeter groß, ein Wonneproppen – wenn da nicht der Herzfehler wäre.

Vier Tage nach der Geburt wird das Baby ins Deutsche Herzzentrum verlegt. In seinen ersten Lebensmonaten muss er vier Mal operiert werden. Bis zu elf Stunden dauern die schweren Eingriffe.

Die ersten zwei OPs sind fast Routine, bei denen die leitende Oberärztin Mi-Young Cho und das Team vom Herzzentrum die Fehlbildungen korrigieren. Die Ärzte verschließen die Löcher im Herzen, operieren die nur Daumennagel große Herzklappe. Doch das zarte Klappen-Gewebe reißt – statt in den Körperkreislauf strömt das Blut zurück in die Lunge – ein Lungenödem droht.

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Der kleine John im Deutschen Herzzentrum: Er hat vier Operationen am offenen Herzen hinter sich.

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Thomas Lebie

Jetzt steht fest: John braucht eine künstliche Herzklappe. Doch die einzige, die es für so kleine Kinder gibt, ist für eine andere Stelle des Herzens vorgesehen. Mi-Young Cho fasst den mutigen Entschluss, diese Klappe trotzdem zu implantieren. Sie muss allerdings verkehrt herum eingesetzt und speziell vernäht werden. Dieses Verfahren wurde weltweit nur 15 Mal angewendet.

Eine schwere Zeit des Bangens beginnt für Maja und Mandy. „Wir haben Tage um Johns Leben gebangt. Er war so blass. Die Atmung ging nur noch stoßweise. Aber John hat einen starken Lebenswillen.“

Zwei Wochen später muss der Steppke wieder operiert werden. Die neue künstliche Herzklappe aus biologischem Material, das um ein Drahtgerüst liegt, wird per Venenkatheter nachgedehnt, so dass es sich dem Herzen anpasst.

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Oberärztin Mi-Young Cho und Prof. Felix Berger, Chef der Kinderkardiologie, retteten John sein Leben. Seine Mamas Maja und Mandy sind überglücklich.

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Lebie

Christian Maier vom Deutschen Herzzentrum zum KURIER: „Der Junge hat sich schnell erholt, konnte zwei Wochen später nach Hause.“ Mandy erleichtert: „Seitdem ist John viel munterer, ausgeglichener. Wir sind so dankbar, dass er leben darf.“

John ist jetzt ein ganz normaler kleiner Junge, der hoffentlich steinalt wird.