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Eröffnung verschoben: BER: Die Versager von Schönefeld

Immer wieder hatten sie von einer Eröffnung im Juni 2012 gesprochen. Nun mussten Wowereit und Platzeck die große Pleite einräumen.

Immer wieder hatten sie von einer Eröffnung im Juni 2012 gesprochen. Nun mussten Wowereit und Platzeck die große Pleite einräumen.

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dapd

Berlin -

So steil ist noch kein Großprojekt in unserer Region abgeschmiert. Die für den 3. Juni geplante Eröffnung des neuen Großflughafens Schönefeld ist auf einen unbestimmten Termin nach den Sommerferien im August verschoben worden. Der Grund: mangelhafte Brandschutzanlagen. Und das ist längst nicht alles.

Angefressen sah der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsrat-Vorsitzende der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH aus. So, wie schon lange nicht mehr. Klaus Wowereit presste immer wieder die Lippen zusammen, knetete seine Hände und blickte kopfschüttelnd zur Decke der „Airport World“. Dann das Eingeständnis des Versagens: „Das ist kein guter Tag für den Flughafen Willy Brandt, die Bürger beider Bundesländer und die Besucher der Region.“

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sprach von einer „mehr als bösen Überraschung“. Er sei bis Montagabend davon ausgegangen, dass die Eröffnung am 3. Juni stattfinde: „Ich verhehle nicht, dass ich stinksauer bin.“

Als Ursache für das Desaster nannten beide Politiker Schwierigkeiten mit den Brandschutzanlagen. Eine ordnungsgemäße Abnahme bis Juni sei nicht mehr möglich gewesen. „Die Sicherheit der Bürger muss im Vordergrund stehen, deshalb die Verschiebung“, so Wowereit. Und er suchte Sündenböcke: „Mir fehlt die Fantasie, warum Experten wie Architekten und Ingenieure das nicht eher erkannt haben.“ Selbstverständlich behalte man sich Regressforderungen vor, so Wowereit. Als für den Bau verantwortliche Firmen wurden unter anderem Siemens und Bosch genannt.

Wowereit und Platzeck beteuerten, kein Urlauber oder Geschäftsreisender müsse Angst um seine Flüge haben. Der teilweise begonnene Umzug von Tegel nach Schönefeld werde zwar sofort gestoppt. Der Flugverkehr werde jedoch weiterhin an den bisherigen Standorten in Tegel und Alt-Schönefeld abgewickelt.

Platzeck nannte als neues Ziel einer Inbetriebnahme die zweite Augusthälfte. Wowereit wollte sich auf keinen konkreten Termin festlegen. Will sich der Aufsichtsratsvorsitzende etwa eine Hintertür für eine erneute Verschiebung offenhalten? Die Grünen fordern von Wowereit Donnerstag im Parlament eine Regierungserklärung. Die Fraktionsvorsitzende Ramona Pop: „Wir wollen wissen, welcher Schaden der Berliner Wirtschaft und der öffentlichen Hand entsteht und welche Mehrkosten auf die Berliner durch die Fehlplanung zukommen.“

Oliver Höfinghoff, Verkehrsexperte der Piraten: „Jetzt so zu tun, als sei die Brandschutzverordnung vom Himmel gefallen, von der man keine Kenntnis hatte, ist im höchsten Maße unglaubwürdig. Wenn weniger als einen Monat vor der geplanten Eröffnung diese auf unbestimmte Zeit verschoben wird, ist offensichtlich mehr schiefgelaufen, als jetzt zugegeben wird.“ Nach KURIER-Informationen gab es bereits im Frühjahr 2011 Gerüchte um eine defekte Bodenplatte im Terminal.

Ex-Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) fordert trotz allem weiter besseren Lärmschutz für Anwohner. Nach Ansicht der Friedrichshagener Bürgerinitiative müssen die Verantwortlichen nun zur Rechenschaft gezogen werden. Es seien die gleichen Personen, die jahrelang die Menschen im Unklaren gelassen hätten. Die wahren Flugrouten seien verschwiegen worden.

Und auch Verkehrsminister Peter Ramsauer schaltete sich in die Diskussion ein: „Berlin kann sich keinen Pannenflughafen leisten.“ Zwar sei der verzögerte Termin bedauerlich. Aber ein reibungsloser und absolut sicherer Betrieb müsse gewährleistet sein. Air Berlin-Chef Hartmut Mehdorn rechnet mit „zusätzlichen Kosten“ für seine Airline.