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Nach Protesten: Abriss der East Side Gallery vorerst gestoppt!

Friedrichshain -

Update, Freitag, 11.47:

Nach Protesten ist der Teilabriss der weltbekannten Berliner Mauer-Galerie vorerst gestoppt worden. Dies gab die Polizei an der East Side Gallery bekannt. Am Morgen hatte ein Kran ein bemaltes Stück aus dem längsten noch erhaltenen Teilstück der Berliner Mauer herausgerissen.

Mehrere hundert Menschen protestierten und blockierten die Straße an der Open-Air-Galerie. Nach Polizeiangaben wurden drei Demonstranten festgenommen. Wann die Arbeiten weitergehen, war noch nicht bekannt.

Die Mauer fällt. Was 1989 für Gänsehaut-Emotionen sorgte und um die Welt ging, erregt jetzt nach 23 Jahren die Gemüter. Donnerstagnachmittag begann der befürchtete Abriss der weltbekannten East Side Gallery.

Plötzlich und unerwartet rückten Baufahrzeuge an der Mauer-Galerie an, entfernten auf einer Länge von mehr als 20 Metern die Oberkante des bemalten original erhaltenen Betonwalls, der einst die Stadt teilte.

Betroffen sind drei Bilder. Auch gesägt wurde schon, jedoch tauchten Aktivisten auf und störten die Bauarbeiter. Auch im Bundestag sorgte der überraschende Beginn für Aufsehen. Kurzzeitig wurde sogar erwägt, eine Aktuelle Stunde anzusetzen. Der CDU-Abgeordnete Axel Knoerig machte sich am Donnerstagnachmittag selbst ein Bild vor Ort. Knoerig zum KURIER: „Es ist das letzte Stück authentische Mauer. Ich habe den Regierenden Bürgermeister sowie Herrn Henkel angeschrieben und – binnen 24 Stunden – eine genaue Auskunft erbeten, inwieweit hier der Denkmalschutz beeinträchtigt wird.“

Auch der Gründer der East Side Gallery und Vereinsvorsitzende, Kani Alavi, zeigte sich gegenüber dem KURIER bestürzt: „Ich bin entsetzt, wie rücksichtslos Geschichte einfach so zerstückelt wird.“ Er kündigte an, mit seinen Mitstreitern heute ab 6 Uhr vor Ort zu sein, um „irgendwie einen sofortigen Baustopp zu organisieren. Es gibt Lösungen, ohne dass ein Durchbruch der Gallery nötig ist“. Auch Einsatzkräfte der Polizei werden da sein, sagte ein Polizeisprecher.

In der Vergangenheit hatten Investoren bereits Durchbrüche an der 1,3 Kilometer langen Betonmauer erstritten. Auch dieses Mal sollen wegen eines Bauprojekts zwischen der früheren Hinterlandmauer und der Spree Blöcke herausgenommen und versetzt werden. Auf dem Areal soll ein Hochhaus mit Luxuswohnungen entstehen (KURIER berichtete).

Auch eine im Zweiten Weltkrieg zerstörte Brücke soll neu gebaut werden. Künstler und Bürgerinitiativen akzeptieren die Pläne nicht, die zum Teil noch vom Anfang der 90er Jahre stammen. Eine Online-Petition wurde gestartet. 50000 Stimmen sollten gesammelt werden. Über die bedrohten Bilder wollte auch der Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses am 11. März diskutieren. Die CDU hatte die Debatte unter dem Titel „Verunstaltung an der East Side Gallery“ beantragt. Nun aber werden Tatsachen geschaffen.

Unklar ist, wer die Arbeiten veranlasste. Aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hieß es: „Wir haben damit nichts zu tun.“ Der Künstler Terry Noir, dessen Bilder betroffen sind, sagte: „Ich finde es unerträglich, dass die Mauer hier einfach so brutal abgerissen wird.“