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Berliner-Kurier.de | Cesar Milan vor Berlin-Auftritt: Ist der „Hundeflüsterer“ ein Hundeschinder?
20. September 2014
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Cesar Milan vor Berlin-Auftritt: Ist der „Hundeflüsterer“ ein Hundeschinder?

Die TV-Sendung „Der Hundeflüsterer“ machte den Amerikaner Cesar Millan (45) auch in Deutschland berühmt.

Die TV-Sendung „Der Hundeflüsterer“ machte den Amerikaner Cesar Millan (45) auch in Deutschland berühmt.

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dpa

Vertrauen, Liebe und Respekt sind seine Philosophie. Schläge, Tritte und Stromstöße die bittere Realität. Cesar Millan (45) ist nicht nur der berühmteste Hundetrainer der Welt, sondern auch einer der umstrittensten. Auf seiner Deutschland-Tour wird der Amerikaner jetzt per Tierschutzgesetz an die Leine genommen: Keine Shows ohne Anstandswauwau – so auch morgen in der Max-Schmeling-Halle.

Seine Bücher sind Bestseller, Hollywood liegt ihm zu Füßen: Die Vierbeiner von Stars wie Jennifer Aniston oder Charlize Theron tanzen nach der Pfeife von Cesar Millan. In den USA wurde der Hundetrainer längst selbst zum Star. Auch bei uns läuft seine eigene Sendung „The Dog Whisperer“ (Der Hundeflüsterer) auf Sixx.

Beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Deutschland-Tour? Nein, denn das Gebell um die Super-Nanny für Familien mit Problem-Hunden ist groß! Schon der Auftakt seiner Tournee begann am Mittwoch in Hannover mit Ärger. Auslöser war das deutsche Tierschutzgesetz.

Wer auf der Bühne mit Zuschauer-Hunden arbeitet, braucht eine Erlaubnis. Die dafür erforderliche Prüfung für Hundetrainer hat Millan am 10. September nicht bestanden. Seine Ausrede: Verständigungsschwierigkeiten – trotz Dolmetschers. Amtlich ist: Cesar Millan verfügt nicht über die Sachkenntnis zur Durchführung von Hundetrainings nach §11 des deutschen Tierschutzgesetzes.

Deshalb verpasste ihm die Stadt Hannover einen juristischen Maulkorb. Der Show-Teil mit Zuschauer-Hunden dürfe nur von jemandem mit Trainerschein durchgeführt werden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie es dazu kam.

Millan wollte mit einem Eilantrag gegenlenken, scheiterte aber am Oberverwaltungsgericht Lüneburg: Das entschied, dass er einen Anstandswauwau braucht. Überall auf seiner Tour. „Das Tierschutzgesetz gilt bundesweit“, betonte eine Gerichts-Sprecherin. Das Aus für seine Shows in Deutschland? Nein, sagte der Sprecher des Hundeflüsterers. „Das Urteil bedeutet nur, dass hinter der Bühne ein geprüfter Hundetrainer anwesend sein muss“, so Florian Wastl. „Auch die anderen sieben Shows finden planmäßig statt.“ Millan werde sich an die Auflagen der Behörden halten.

Tierfreunde dürfte das wenig beruhigen. Denn trotz kurzer Leine bleiben Millans Methoden umstritten. Seine Grundregel: Hundebesitzer müssen ihre Tiere nicht nur lieben, sondern auch führen. Der Mensch muss als Rudelführer auftreten – ruhig, aber fest und entschlossen.

Tierschützer kritisieren, dass er mit Strafen, Drohgebärden und sogar Würge-Halsbändern arbeitet. Millan wies sämtliche Tierquäler-Vorwürfe stets zurück: „Sie verstehen nicht, wer Cesar Millan wirklich ist. Ich bin der größte Hunde-Fan auf diesem Planeten“, verkündete er im Frühjahr selbstsicher.

Im Internet dagegen sorgten unlängst Videos des Hundeflüsterers nicht nur für Spott und Häme, weil er selbst von einem seiner Schützlinge gebissen wird. Sondern auch für Aufregung, weil er darauf mit Schlägen und Tritten reagiert.

Fakt ist außerdem: „Cesar Millan arbeitet mit dem Teletak-Gerät, das bei unerwünschtem Verhalten einen Stromstoß gibt“, so der Internationale Berufsverband der Hundetrainer. Das kann bei uns nicht passieren. Die in den USA erlaubte Technik ist hier verboten.

Morgen tritt Cesar Millan in der Max-Schmeling-Halle auf. Die Show ist fast ausverkauft. Es gibt nur noch Restkarten (ab 32 Euro) für das Training auf der Bühne – hinter der ein Anstandswauwau anwesend sein wird ... PAUL/GOL

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