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BVG-Chefin im Mama-Interview: Wie hält Ihr Mann Sie eigentlich aus, Frau Nikutta?

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Sigrid Nikutta führt die BVG seit 2010. „Meine Kinder und mein Beruf sind mein Lebensinhalt. Ich wollte nie nur das eine“, sagte sie im Interview.

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dpa

Sie leitet die größte kommunale Verkehrsflotte Deutschlands – 14000 Mitarbeiter sorgen unter den Fittichen von BVG-Chefin Sigrid Nikutta dafür, dass Berlin ständig in Bewegung bleibt. Über ihr Privatleben erfährt man wenig. In einem Interview sprach Nikutta jetzt über Kinder und Familie.

Seit 2010 ist Nikutta Vorstandsvorsitzende der BVG, in der Geschichte ist sie die erste Frau an der Spitze des Unternehmens. Ihr Mann kümmert sich um die vier Kinder – mit dem fünften ist die 46-Jährige schwanger.

Frau Nikutta, wie hält Ihr Mann die Rollenverteilung aus? „Bevor unser erstes Kind kam, haben wir das Gleiche verdient und waren auf der gleichen Karrierestufe“, klärt sie den „Spiegel“ auf. „Wir haben dann darüber gesprochen, wer sich mehr um das Kind kümmern würde.

Es war eine sehr kurze Diskussion, weil schnell klar war: Ich bin diejenige, die viel Spaß an ihrem Job hat. Mein Mann konnte sich dagegen vorstellen, eine Weile auszusetzen.“ Daraus wurde eine lange Weile – seit zehn Jahren ist er zu Hause. „Er dürfte damit einer der Männer mit dem längsten Erziehungsurlaub in Deutschland sein.“

Mit der Organisation der Familie seien beide zufrieden. „Aber dass sich ein Mann dauerhaft um seine Kinder kümmert, stößt immer noch auf großes Unverständnis.“ Deshalb brauche man eine gewisse Unempfindlichkeit. „Wir haben das so entschieden. Und wir lassen uns auch nicht reinreden.“ Nach der Geburt ihres fünften Kindes wolle sie schnell in den Job zurück – nach zehn Tagen. „Wenn es meinem Kind und mir gut geht, fange ich langsam wieder an.“ Beruf und Kinder seien ihr Lebensinhalt. „Ich wollte nie nur das eine.“ 

Innerhalb der BVG setzt sich Nikutta für die Förderung von Frauen ein – sie koppelte die Gehälter der Führungskräfte daran, dass sie einen bestimmten Frauenanteil erreichen. Es sei die „erfolgreichste Maßnahme, die wir je eingeführt haben“. Kritik übt sie, wenn es um die Besetzung von Aufsichtsräten geht.

„Wenn der BVG-Vorstand auf jeden Fall ein Ingenieur sein müsste, säße ich heute nicht hier. Ich konstruiere aber keine U-Bahn, das hat auch keiner meiner männlichen Vorgänger getan.“ Es zeige sich ein altes Muster: „Frauen müssen sich für diese Ämter qualifizieren, während Männer das schon immer per se konnten.“ FT