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Bon-Voyage-Party: Das fröhliche Begräbnis einer großen Liebe

Eine Beerdigung muss nicht tieftraurig sein: Luftballons gehörten zur Bon-Voyage-Party von Plaps dazu.

Eine Beerdigung muss nicht tieftraurig sein: Luftballons gehörten zur Bon-Voyage-Party von Plaps dazu.

Foto:

Gudath

Hermsdorf -

Er hätte es geliebt. Vielleicht hat er es auch geliebt, denn er war dabei, wenn auch tot: Die Beisetzung von Alfons Kaluzny neben seiner Frau geriet – wie geplant – zur Party.

Der einstige Immobilienmakler war am 12. Januar im Alter von 88 Jahren an gebrochenem Herzen gestorben, einen knappen Monat nach seiner geliebten Frau Evelyne (84) – ohne sie wollte er nicht mehr leben (der KURIER berichtete).

Eine Woche nach der Beisetzung seines geliebten „Mogelchens“ machte er die Augen zu. Seine letzten Worte waren „Mogelchen, morgen.“
Weil er sich so auf das Wiedersehen im Himmel freute, wollte Tochter Andrea keine traurige Beisetzung, sondern lud zu einer „fröhliche Bon-Voyage-Party“ in die „Location“ des städtischen Friedhofs Hermsdorf ein.

Dort sollte ihr „Plaps“ Alfons die letzte Ruhestätte neben seiner Frau finden.

Über 40 Menschen folgten der Einladung, fanden zuerst einen Käsekuchen (Alfons’ Lieblingskuchen) vor und hörten den Kaiserwalzer (Alfons’ Lieblingstanz). In der Kapelle trug Trauerredner Hermann Eike Keller (61) das Leben des seit 1947 schwer verliebten Paares vor, das so gern gereist war: Auf einer der Reisen entstand Tochter Andrea, die seither den Spitznamen „Schnullchen da Noli“ trug. Das Paar genoss das Leben, so lange es ging. Nur in den letzten Jahren war es schwer: Andrea, der die Kaluznys ein Jura-Studium ermöglichte hatte, musste deshalb aus den USA nach Berlin zurückkehren.

Freunde und ehemalige Geschäftspartner brachten Blumen und Kränze mit – einer mit den Worten „Alles Gute auf Deinem coolen weiteren Weg“ auf der Kranzschleife.

Am Ende der Andacht samt „Abschied“-Gedicht von Wilhelm Busch gab es eine Geduldsprobe für Weihnachtshasser: Neben dem Radetzkymarsch erklangen gleich drei Weihnachtslieder – „Alle Jahre wieder“, „O du Fröhliche“ und „Süßer die Glocken nie klingen“. Wochenlang hatte Alfons zu Lebzeiten seine Familie vor Weihnachten – nun ja – erfreut.

Mit 30 bunten Luftballons in den Händen (Andrea Kaluzny hatte mit weniger Gästen gerechnet) folgte die heitere Gemeinde dem Sarg zum Grab: Es wurde Sekt – mit und ohne Alkohol – in Pappbechern gereicht. Mit Na zdrowie, weil der Verstorbene polnische Wurzeln hatte. Nach und nach stiegen die Ballons gen Himmel, ein Trompeter spielte „When the saints go marchin in“. So dürfte wegen dieser Begleitung dem Einzug des Verstorbenen ins Paradies nichts mehr im Wege stehen.

Vorbereitet sein dürfte auch schon alles, glaubt Andrea: „Nicht ganz einen Monat Vorsprung sollte unserem Mogelchen gereicht haben, den Himmel fach(un)männisch mit einer Horde umfunktionierter Schutzengel herzurichten, komplett mit Plastikblümchen im Garten und Stolperteppichen“, heißt es in der Todesanzeige. Die Teppiche sind eine Anspielung darauf, dass Evelyne über alles, wirklich alles stolperte, über das man stolpern konnte. Was sie nicht hinderte, Charleston und Ententanz auch mal auf dem Tisch hinzulegen.

Alfons wurde auch von seiner Tochter fürs Jenseits ausgestattet: Er bekam den Führerschein mit in den Sarg, und die Green Card für den Fall, dass Petrus ihn in den US-Himmelsteil steckt. Falls er Lust auf seinen alten Sport hat: Ein Eishockey-Puck ist auch mit dabei. Es kann nichts mehr schief gehen in der gemeinsamen Ewigkeit von Plaps und Mogelchen ...