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Bitte bedienen!: Berlin wird zum Obstgarten

Berlin -

Es klingt ein wenig nach Schlaraffenland: Berlin soll „essbare Stadt“ werden. So heißt der Plan wirklich, der jetzt in drei Bezirken erste Früchte trägt. Statt nur Straßenbäume sollen bald Obstbäume und Beerenhaine die Parks und Plätze zieren. Und Bürger dürfen gratis pflücken! Wild-Obst findet man aber auch heute schon.

Vitamin-Bomben kommen bald nicht mehr vom Supermarkt, sondern wuchern als Gratis-Snack unterwegs. Vorreiter in Sachen „essbarer Bezirk“ ist Friedrichshain-Kreuzberg, wo die Idee bereits umgesetzt wird. Der Bezirk prüft, welches Obst wo geeignet ist. Auch Pankow hat seine Pläne: Während die Grünen eine Bepflanzung der City-Kieze anregten, zieht die CDU nördliche Ortsteile vor. Bezirk Nr. 3 ist Lichtenberg, wo die Grünen einen Antrag stellten.

Die Partei fordert einen öffentlichen Workshop, auf dem Bürger und Experten die Idee bereden. Schließlich sollen die Kiez-Bewohner an der Bepflanzung und Pflege mitwirken. Was aber nicht heißt, dass nur engagierte Bürger pflücken dürfen. Die Idee der „essbaren Stadt“ greift um sich, seit die rheinische Gemeinde Andernach 2010 damit anfing. Heute machen über 50 Kommunen mit. Das Ganze hat drei Vorteile: gesundes Essen, biologische Vielfalt in Städten und Natur-Erleben für Kinder.

Natürlich fragt man sich, ob Obst aus einer Metropole wie Berlin nicht schadstoffbelastet sein muss. TU-Forscher fanden heraus, dass City-Grünzeug mehr Schwermetalle enthalten kann als übliche Ware. Für den Anbau kommen daher eher geschützte Orte in Parks infrage.

Fans von Gratis-Obst können sich übrigens schon heute im Internet über Fundorte wilder Früchte austauschen. Gestern wurden etwa Mirabellen an der Malchiner Straße in Neukölln gemeldet. Die Website heißt: www.mundraub.org. MOW