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26. March 2016
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Berlins traurigste Oster-Geschichte: Schwer krankes Rentner-Paar aus Datsche geklagt

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Karin Behrens und ihr demenzkranker Mann Joachim Christian werden nach Ostern aus
ihrer Datsche zwangsgeräumt.

Foto:

Volkmar Otto

Charlottenburg -

Die Parzellen sind herausgeputzt, Obstbäume  mit bunten Eiern geschmückt. Doch der Friede in der Kleingarten-Kolonie „Saatwinkler Damm“ trügt. Für Karin und Joachim Christian Behrens (beide 77) wird es dort das letzte Osterfest sein. Nach den  Feiertagen wird das schwer kranke Rentner-Paar aus ihrer Datsche zwangsgeräumt.

Das Grundstück Nummer 181 am Krummen Weg ist für die alten Leute ein  festes Zuhause geworden. Das Haus darauf ist seit 45 Jahren quasi in Familienbesitz. „Zuerst gehörte es meinen Eltern, dann zog ich mit meinen  Mann dort ein“, sagt Karin Behrens. Ihr Mann war sogar 30 Jahre lang selbst der Chef der Kleingarten-Kolonie.

Doch nun  sollen beide per Zwangsräumung aus ihrem Datschen-Paradies raus. Die Gerichtsvollzieherin hat bereits schriftlich ihr Kommen für den Dienstag nach Ostern,  um 9 Uhr, angekündigt. „An diesem Tag stehen wir dann mit unseren Sachen auf der Straße, haben keine Bleibe“, sagt Karin Behrens, die an Diabetes leidet und Herzprobleme hat. „Vor allem für meinen demenzkranken Mann wird der Rauswurf  schwer. Er muss ins Heim.“

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Trotz der drohenden Räumung: Karin Behrens schmückt im Garten den Baum mit Ostereiern.

Foto:

Volkmar Otto

Karin Behrens zeigt Gutachten der Diakonie, des St. Hedwig-Krankenhauses und der Hausärztin. Alle drei Schreiben bescheinigen, dass aufgrund der Schwere der Krankheit der Mann nicht aus seiner gewohnten Wohnumgebung herausgenommen werden kann. „Aus unserer Sicht hat der Verbleib hohe Priorität, sollte nicht verändert werden“, so die Klinik, die zur Charité gehört. Eine andere Ärztin bemerkt, dass eine Umgebungsveränderung ein „katastrophales Ereignis“ für Joachim Christian Behrens  ist, „was zu einer weiteren Verschlechterung der Demenzkrankheit führt“.

Normalerweise müssten solche  medizinischen Gutachten  ausreichen, um eine beantragte Zwangsräumung zu stoppen.  Normalerweise. Doch im Fall der  Behrens ist die Zwangsräumung der traurige Höhepunkt eines jahrelangen Streites mit dem Charlottenburger Bezirksverband der Kleingärtner.

Alles fing vor vier Jahren mit einem Geräteschuppen der Behrens an. „Nach dem Bundeskleingartengesetz  ist er  zu groß, sollte  weg“, erklärt Verbandschef Edgar Thomas (78) dem KURIER. „Frau Behrens hat das bis heute nicht getan, es ging  vor Gericht.“ Wegen eines Schuppens wird ein krankes Rentner-Paar nun zwangsgeräumt? „Es gab noch mehr Dinge“, sagt Thomas, dessen Verein die Zwangsräumung bei Gericht beantragt hat. „Außerdem hatten die Behrens’ noch offene Rechnungen.“

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Joachim Christian Behrens (mit Hund Trixi) ist demenzkrank. Laut Ärzte wäre für ihn ein Umzug katastrophal.

Foto:

Volkmar Otto

Karin Behrens bestreitet das. „Wir haben keine Schulden. Und der Schuppen ist  nur ein Vorwand, um uns, aus welchen Gründen auch immer, loszuwerden. Den Schuppen hatte  ich gleich nach den Beanstandungen abgerissen, aus Resten ein Hochbeet gemacht.“ In der Tat: Der KURIER fand den Schuppen nicht mehr vor.

Verbandschef Thomas erzählt nun: „Es gab in der Kolonie ständig Ärger mit den Behrens’. Der Kolonie-Vorstand beschloss, die Behrens’ auszuschließen. Frau Behrens hat die Pachtverlängerung für nur ein Jahr sogar unterschrieben.“ Ein Fehler. Doch die Behrens  wehrten sich, stritten vor mehreren Gerichtsinstanzen – doch die Richter entschieden gegen sie.

„Die Sache mit dem kranken Mann tut uns leid“, sagt  Thomas. „Aber es  gibt ein Urteil, das wir mit der Zwangsräumung durchsetzen. Wir ziehen sie nicht zurück.“ Das Rentner-Ehepaar ist mit den Nerven am Ende. „Nur ein Wunder kann uns noch retten.“


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