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Berliner-Kurier.de | Berlin diskutiert die neue Verkehrsidee: Die Öffi-Flatrate im KURIER-Check
04. March 2015
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Berlin diskutiert die neue Verkehrsidee: Die Öffi-Flatrate im KURIER-Check

Hat Berlin bald eine Öffi-Flatrate?

Hat Berlin bald eine Öffi-Flatrate?

Foto:

Lebie

Berlin -

Jeder Berliner zahlt 30 Euro im Monat und darf dafür unbegrenzt Bus und Bahn fahren. Diese abgefahrene Verkehrs-Idee kam jetzt vom Verkehrsexperten der Linken, Harald Wolf (KURIER berichtete). Nun wird über die Chancen der Durchsetzbarkeit seiner Öffi-Flatrate in der Hauptstadt richtig heiß diskutiert.

„Klasse Idee“, sagt die Mehrheit der Berliner. Sie hofft, dass die Linke-Fraktion sich mit dem Plan durchsetzt, der die Menschen motivieren soll, vom Auto auf BVG und S-Bahn umzusteigen.

Der Plan im Detail: Jeder Berliner soll monatlich 30 Euro in eine noch zu bildende Nahverkehrs-Kasse zahlen, bekommt als Gegenwert eine Monatskarte (Tarifzone AB). Die wäre etwa um die Hälfte billiger als das jetzige AB-Monatsticket.

Obwohl die Öffi-Flatrate bei den Berlinern gut ankommt, tritt der Senat mächtig auf die Bremse. Die Sprecherin des Finanzsenators und BVG-Aufsichtsrats-Chefs Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) sagte: „Kein Kommentar! Die Idee ist zur Zeit nicht einmal eine Überlegung wert.“

Der ADAC hält den Plan rechtlich bedenklich. „Die Idee ist legitim, wirft aber viele Fragen auf“, sagte ADAC-Rechtsexperte Jörg Becker. Jeder müsse noch immer selber entscheiden können, ob man mit dem Pkw oder mit der Bahn fahren will.

Außerdem wäre die Öffi-Flatrate für Autofahrer eine zusätzliche Steuer. „Sie zahlen mit der Kfz-Steuer, mit der Umweltplakette und der Parkraumbewirtschaftung schon genug“, sagt Becker. „Außerdem werden die 180000 Brandenburger Pendler, die täglich auch mit dem Auto nach Berlin kommen, und damit für das höchste Verkehrsaufkommen in der Stadt sorgen, nicht berücksichtigt.“

Die Chefin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Susanne Henckel, begrüßt dagegen die Idee. Da die Öffis zu über 50 Prozent von der öffentlichen Hand finanziert werden, ist eine Mitfinanzierung durch die Fahrgäste „auf lange Sicht gesehen unumgänglich“, um auch künftig den Fahrgästen ein hochwertiges Nahverkehrsangebot anbieten zu können. Mit dem Linken-Plan sei nun die Diskussion mit Vorschlägen zu solidarisch finanzierten Bürgertickets eröffnet. „Das finden wir gut“, so Henckel.