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Bau-Desaster: So verrottet sieht es im Bauch der BER-Baustelle aus

Hier lässt sich mit Händen greifen, wie groß die Baumängel am Flughafen tatsächlich sind.

Hier lässt sich mit Händen greifen, wie groß die Baumängel am Flughafen tatsächlich sind.

Foto:

Kaufhold, CDU-Fraktion Brandenburg

Schönefeld -

Risse im Bauwerk, und noch immer ist die Brandschutzanlage nicht in Takt: Viele der Gerüchte über die Bauschäden am künftigen Großflughafen in Schönefeld haben sich jetzt bestätigt. Brandenburger CDU-Landtagsabgeordnete sahen am Donnerstag vor Ort das Bau-Desaster mit eigenen Augen.

Die Politiker: Sie kamen nicht ganz unvorbereitet auf die Flughafen-Baustelle. Ausgerüstet waren die CDU-Leute mit Fotos von Schäden und gezielten Angaben, wo diese zu finden sind. Die brisanten Informationen hatte man ihnen zugespielt. Als Experten nahmen die Abgeordneten einen unabhängigen Bauingenieur mit.

Das erste Ziel der Politiker: Ein Beton-Pfeiler, der der Länge nach aufgerissen sein sollte und über den bereits der KURIER berichtete. Der Flughafensprecher Ralf Kunkel hatte dies damals als „Märchenstunde der Flughafengegner“ bezeichnet. Doch die CDU-Abgeordneten wurden gestern fündig. Den kaputten Pfeiler gibt es tatsächlich am Nordpier im Einfahrtsbereich des Ladehofes, wo künftig Waren für den Flughafen angeliefert werden sollen!

„Es ist ein etwa vier Meter hoher Träger“, sagt der CDU-Verkehrsexperte Rainer Genilke. „Der Riss zieht sich fast über die ganze Länge, ist bis zu zehn Zentimeter tief und etwa 13 Zentimeter breit.“ Bauingenieur Hans-Werner Schmidt, der die Abgeordneten begleitete: „Ich war entsetzt, als ich das sah. Nach der Größe ist das nicht nur ein Riss, sondern eine regelrechte Ausplatzung.“

Und was sagten die BER-Leute, dazu, die die Abgeordneten über die Bausstelle führten? „Sie konnten uns den Schaden nicht erklären oder werten“, sagt CDU-Mann Genilke. Ob durch Spannungen oder Dehnungen im Bauwerk: Bauexperte Schmidt kann über die Riss-Ursache nur spekulieren. „Es war auf jeden Fall das Schlimmste, was ich bei dem gestrigen Rundgang sah!“

Nächstes Desaster: Die Brandschutzanlage. „Wir trafen Spezialisten, die zur Zeit einen Schadenskatalog erstellen. Sie sagten, dass noch 70 Prozent der Anlage mangelhaft sein sollen“, sagt CDU-Fraktionsvize Dieter Dombrowski. Er wagte im Sicherheitsbereich des Terminals einen Blick hinter die Wände, die im Ernstfall 90 Minuten lang das Feuer abhalten sollen. „Einige Wände waren durchbrochen oder durchbohrt“, sagt Dombrowski. „Und in einigen Lüftungskanälen lag Unrat. Ich frage mich, wie der Test eines Teiles der Anlage im Juli erfolgreich ablaufen konnte.“ Das hatte damals die Flughafengesellschaft behauptet.

Das Gerücht, dass es Probleme im Untergeschoss des Nordpiers gäbe: Auch dafür fanden die Politiker einen Hinweis. „Um zu sehen, wie sich das Bauwerk zwischen den Wänden ,bewegt’, waren dort an einer Dehnungsfuge zwei Plomben angebracht. Eine war im Juli gebrochen“, sagt CDU-Mann Genilke. „Diese Fuge war ein Zentimeter breiter als die Fugen auf der gegenüberliegenden Wandseite.“

Was den Politikern beim Rundgang auffiel: „Elektrokabel waren nicht ordentlich, sondern recht wild angebracht“, sagte Genilke. Und: „Es waren kaum Bauleute, dafür umso mehr Sicherheitsleute zu sehen.“ Die CDU-Leute bemängelten, dass die Gepäckanlage als ein Sicherheitsbereich für alle auf der Baustelle völlig zugänglich sei. „Aber wir sollten aus Sicherheitsgründen den Bereich nicht sehen“, sagt Dombrowski. „Erst als ich den Bundespolizei-Präsidenten anrief, kamen wir hinein.“

Zu dem Besuch der Brandenburger Politiker und deren Berichten: „Wir werden die Sachen prüfen“, sagte Flughafensprecher Leif Erichsen.