E_Paper_BK
BERLINER KURIER - Berlins ehrliche Boulevardzeitung im Netz

Baum-Posse von Köpenick: Die erste Bürokratie- Blüte des Frühlings

Ducke und Frau

Detlef Ducke und seine Frau Anette zeigen dem Bürokratie-Wahnsinn einen Vogel. Das Amt
verlangte eine Fällung ihrer Birken, die gar nicht nötig gewesen wäre.

Foto:

Sabeth Stickorth

Zum heutigen meteorologischen Frühlingsanfang lässt die Sonne sich (noch) nicht so recht blicken. Doch selbst wenn sie sich in den nächsten Tagen zeigen sollte, kommt bei Detlef Ducke (56) und seiner Frau Anette (55) keine Frühlingslaune auf. Das Paar ärgert sich über gefällte Bäume auf ihrer Datsche. Und über den Stress, den sie deshalb mit den Behörden haben.

Vor drei Jahren erfüllten sich die Duckes ihren Traum vom eigenen Gärtchen und pachteten eine Datsche in der Köpenicker Kleingartenanlage „Flora“. Eine Augenweide – die beiden Jahrzehnte alten Birken (1,20 Meter und 1,50 Meter Stammumfang), die sich stolz in die Höhe reckten. Reckten! Denn an diesen Birken entzündete sich der jahrelange Streit.

Alles Unheil begann im Herbst 2014. Das Umwelt- und Naturschutzamt rückte zu einer turnusmäßigen Begehung an: „Die Dame vom Amt packte ein kleines Hämmerchen aus, klopfte an die Rinde, lauschte und urteilte: Der Baum ist hohl. Ich hab gedacht, ich bin im falschen Film“, erinnert sich Detlef Ducke. Und es kam noch viel schlimmer! Auch die andere Birke, weil beide in den Kronen verkeilt seien, sei nicht mehr standfest. Des Amtes Anordnung: Gleich weg mit beiden Bäumen!

Gefordert, getan. Den Duckes blieb nicht anderes übrig: Sie ließen beide Birken für 1500 Euro fällen.

Doch, man glaubt es kaum, jetzt begannen die Probleme erst richtig. Denn die Beamten vom Umwelt- und Naturschutzamt forderten ebenfalls, dass die Duckes für den zweiten „gesunden“, aber trotzdem gefällten Baum eine Ersatzpflanzung vornehmen müssen.

Und wie das so ist in Deutschland, wurde auch dies ganz genau vorgeschrieben.

Gefordert wurde ein „hochstämmiger“ Obstbaum mit einem Stammumfang von mindestens 14 Zentimeter. So weit, so gut. Oder so schlecht. Das Problem: Der vom Amt vorgeschriebene, hochstämmige Baum ist hier laut Kleingartenverein gar nicht erlaubt. Sträucher ja, kleine Bäume auch, aber keine „Hochstamm“-Gewächse.


Wie die Sache noch auf die Spitze getrieben wird, lesen Sie auf der nächsten Seite

Das Amt jedoch sagt: Ducke habe sich mit der Pacht des Grundstückes verpflichtet, für die Bäume zu sorgen, auch für ihre Beseitigung. Und bei der vom Amt angeordneten und genehmigten Fällung muss er bis 120 Zentimeter Baum-Umfang für eine Ersatzpflanzung sorgen. Dumm: Bei einer späteren Begehung fiel auf, dass sich die Dame vom Amt auch noch vermessen hatte. Der „gesunde Baum“ hatte plötzlich mehr als 120 Zentimeter Umfang. Und das heißt – zwei Ersatzpflanzungen.

Doch da der Kleingartenverein „njet“ sagt, muss Ducke jetzt zahlen. Eine Strafe. Für nicht gepflanzte Bäume. Insgesamt 462 Euro!

Sie meinen, es geht nicht schlimmer? Doch! Denn der Fachmann, der die Fällung vornahm, untersuchte die Birken noch einmal. Scheinbar gründlicher, als die Beamten das taten. Kurz vor der Fällung machte er noch eine Probebohrung im Stamm, um die Beschaffenheit zu testen. Sein Fazit: Der Baum war nicht hohl und stand gut im Saft, wie er gegenüber dem KURIER bestätigte. Doch das Bezirksamt weist den Fehler von sich.

Am Ende steht Ducke mit einem Schaden von fast 2000 Euro da. Er ist sauer über die Behörden-Diagnose und überlegt rechtliche Schritte. „Es hätte vollkommen gereicht, wenn wir die beiden Bäume entästet hätten. Dann gäben sie im Sommer etwas Schatten.“

Und während die Bäume in Nachbars Garten Knospen treiben und die Lerchen fröhlich den Frühling herbeizwitschern, schaut Ducke auf die beiden toten Stümpfe auf seiner Wiese.

nächste Seite Seite 1 von 2