E_Paper_BK
BERLINER KURIER - Berlins ehrliche Boulevardzeitung im Netz

Asbest-Alarm!: 50.000 Berliner Wohnungen verseucht

Asbest galt bis Mitte der 1980er als perfekter Baustoff. 1993 wurde er als krebserregend verboten. In Berlins Wohnungen schlummern tonnenweise giftige Altlasten. Wer Asbestfasern einatmet, läuft Gefahr, viele Jahre später an Lungenkrebs (Asbestose) zu erkranken.

Asbest galt bis Mitte der 1980er als perfekter Baustoff. 1993 wurde er als krebserregend verboten. In Berlins Wohnungen schlummern tonnenweise giftige Altlasten. Wer Asbestfasern einatmet, läuft Gefahr, viele Jahre später an Lungenkrebs (Asbestose) zu erkranken.

Foto:

Getty Images/iStockphoto

Berlin -

Asbest ist hochgradig krebserregend. Das Umweltbundesamt warnt davor, bei Renovierungsarbeiten damit in Berührung zu kommen.

Was aber, wenn man gar nicht weiß, dass man in einer mit Asbest verseuchten Wohnung lebt?

Allein in den Häusern der sechs städtischen Wohnbaugesellschaften gibt es immer noch rund 50.000 Wohnungen mit Asbestverdacht. Das deckte jetzt eine parlamentarische Anfrage des Grünen Andreas Otto auf.

Erst im Februar berichtete der KURIER über bis zu 22100 Wohnungen der Degewo, die mit Asbest belastet sein könnten. In ganz Berlin sind es allerdings viel mehr.

Vor zwei Jahren ging man von 48.000 Wohnungen in den sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften aus.

Jetzt, zwei Jahre später, findet sich folgender Zusatz in der Antwort: „Die Bestände sind nicht komplett auf Asbest untersucht worden. Daher könnten es mehr Wohnungen sein.“

Traurige Spitzenreiter bei den Asbest-Verdachtsfällen sind demnach die Degewo und die Gewobag.

Bei der Degewo besteht, wie der KURIER schon berichtete, bei 22 100 Wohnungen Asbestverdacht. Im nächsten Jahr ist jetzt die Sanierung von 800 Wohnungen geplant.

Bei der Gewobag gibt es 20.000 Wohnungen mit Asbestverdacht. 2014 wurden 1.328 Wohnungen saniert, 1.951 weitere sollen noch 2015 vom krebserregenden Stoff befreit werden.

Welche Wohnungen das konkret betrifft, kann der Senat nicht sagen. Die Frage, ob man mittlerweile ein Register zu Asbestvorkommen und Sanierungsstand angelegt habe, muss der Senat nämlich mit „Nein“ beantworten. Die Entscheidung darüber liege bei den Wohnungsunternehmen, heißt es. So sind auch alle im folgenden aufgelisteten Angaben Auskünfte der Wohnbaugesellschaften.

Demnach gibt es bei der Howoge als einziger städtischer Gesellschaft keine Wohnungen mit Asbestverdacht.

Die Gesobau listet 700 Verdachts-Wohnungen, gibt aber zu, dass es mehr sein könnten. 400 der bekannten Fälle sollen noch 2015 saniert werden.

Fast ebenso viele Wohnungen will auch Stadt und Land noch dieses Jahr sanieren – nämlich 421. Gesamtzahl der Asbestverdachtsfälle hier: 4.650.

Bei der WBM gelten 1.030 Wohnungen als Asbest-Verdachtsfälle. 2015 und 2016 sollen jeweils 90 davon saniert werden.