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Arbeiten will er nicht, aber unser Geld: Sind Sie ein Sozial-Schnorrer, Herr Boes?

Streitbar: der ehemalige Krankenpfleger und Manager Ralph Boes.

Streitbar: der ehemalige Krankenpfleger und Manager Ralph Boes.

Foto:

Lebie

Berlin -

Ganz schön dreist: Da sitzt einer tiefenentspannt im TV, lässt sich von niemand einen Job zuschanzen, und trotzdem will er Geld vom Staat – 1.000 Euro im Monat! Damit löst Ralph Boes Empörung aus. Nicht wenige nennen ihn Sozial-Schnorrer.

Seit Jahren ist Boes arbeitslos, er lebt im Wedding von Hartz IV. Natürlich gab es Ärger mit dem Jobcenter. Weil der Ex-Krankenpfleger und Manager die angebotene Arbeit nicht annehmen wollte. „40 Stunden wöchentlich im Callcenter für 7,01 Euro in der Stunde in Schichtarbeit von morgens um 6 bis abends um 12“, da sagte Ralph Boes: „Nein!“

Seine Begründung jetzt in der Talkshow „Menschen bei Maischberger“: „Das hat mit meinem eigenen Leben und meiner eigenen Aufgabe nichts zu tun. Die Art der Arbeit ist aus meinem Gefühl her Zwangsarbeit.“

Boes fühlt sich zu anderen Aufgaben berufen, ließ er den KURIER wissen. Wir wollten klären, ob er wirklich ein Sozial-Schnorrer ist. Boes: „Ich halte Vorträge.“ Zu Themen wie Menschenrechte und Hartz IV. Das könne er nicht mehr, wenn er im Callcenter maloche.

In Hartz IV sei er „durch die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse gedrängt“ worden. Den Job als Manager in einer Seniorenresidenz habe er verloren, „weil meine Spezialität die Geistesschulung ist. Ich gab Kurse dort. Aber der neue Direktor hatte für diese Arbeit keinen Sinn. Dann muss man sich halt trennen.“ Selbstbewusst verkündet er seine Thesen.

Wenn wie bei Maischberger die niedrigentlohnte Putzfrau Heidi Ralfs ihm wütend Abzocke vorwirft, rollt Boes nur mit den Augen – und lächelt herablassend. Seine Meinung: „Während des Bezuges von Hartz IV ist mir aufgefallen, in welcher Gefahrenlage sich unsere Republik befindet, weil sie dabei ist, sowohl die Menschenrechte als auch die Verfassung den Interessen anonymer Geldmärkte aufzuopfern.“

Mit seinen Vorträgen richtig Geld zu verdienen wie zum Beispiel andere berühmte Vortragsredner von Mark Twain bis Peer Steinbrück, das aber gelingt ihm nun auch wieder nicht. Boes sieht das so: „Dass ich mit solcher Arbeit kein Geld verdienen kann, ist wahr, dennoch ist sie dem Wohl der Republik gezollt.

Aufs Große und Ganze bezogen müssen wir fragen, ob wir die tausendfach teureren Bankenrettungen finanzieren wollen oder in Menschen investieren, die für das Wohl des Ganzen gerade stehen.“ Und wie dieses Investment aussehen könnte – davon hat Berlins frechster Arbeitsloser selbstverständlich längst eine glasklare Vorstellung: In jedem Fall muss es mehr als den Hartz-IV-Regelsatz ausmachen – auch ohne Arbeit und für jeden Bürger. In Form eines bedingungslosen Grundeinkommens in Höhe von 1000 Euro für alle! Das, so Boes, sei billiger als Hartz IV, weil „Überwachungsmaßnahmen wie sinnlose Beschäftigungsmaßnahmen“ dann wegfallen würden.



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