E_Paper_BK
BERLINER KURIER - Berlins ehrliche Boulevardzeitung im Netz

Affengeil! : Berliner basteln Spielzeug für Zootiere

ZooSeminar 029

Schimpanse Pedro sammelt, was er kriegen kann. Bevor er futtern darf, muss er aber die Reis-Bälle aus dem Papier befreien.

Foto:

Gudath

Charlottenburg -

Mit emsigen Schritten tapst Schimpanse Pedro durch seinen Käfig, sammelt in Papier eingepackte Reisbällchen vom Boden auf. Ein Bällchen, zwei Bällchen, drei Bällchen… bis er sie kaum noch tragen kann. Auspacken muss er sie allerdings selbst. Das ist Teil des „Gehirnjogging“, mit dem die Tiere sich die Zoo-Zeit vertreiben. Das Material dafür können Tier-Fans selbst basteln – in kleinen Seminaren.

Zoologischer Garten, Hühnerhaus. Ein kleines Zimmer, direkt unter dem Dach. Früher wohnten hier Zoo-Mitarbeiter, heute ist in dem Mini-Raum eine Bastelstube eingerichtet.

Bastelstube? Im Zoo? Ja – und Christine Peter, Fachfrau für Tierbeschäftigung, hat für die heutige Besucher-Truppe einiges vorbereitet. Säcke liegen bereit, Papier, leere Plastikflaschen, Holzwolle. „Und ich habe Reis gekocht“, sagt sie. „Mit Rosinen drin.“ In Kürze wird diese Mischung den Schimpansen zum Fraß vorgeworfen. Einfach so? „Nee, etwas schwerer muss es schon sein.“

Die Mischung wird in die Zwischenräume trockener Kiefernzapfen gepresst. Die fertigen Reis-Bälle werden in Papier eingewickelt und, wie Bonbons, verschlossen. Es ist die Aufgabe der Tiere, den Reis zu befreien – Gehirnjogging eben.

Im Leben eines Tieres, das seine Zeit im Käfig verbringt, ist nicht viel los. „Wir Menschen beschäftigen uns mit verschiedenen Dingen – das können die Tiere nicht“, sagt Peter. „Deshalb müssen wir sie immer wieder fordern, jeden Tag.“

Dass das in Zoo und Tierpark möglich ist, haben die Tiere Zoo-Chef Andreas Knieriem zu verdanken. Beim Amtsantritt im Jahr 2014 setzte er das Beschäftigungsverbot seines Vorgängers Bernhard Blaszkiewitz außer Kraft. Einmal im Monat können sich Tier-Fans nun die Bastelrunde buchen, unter Anleitung Spielzeug für die Tiere zimmern. Ein Angebot, das Peter schon in den Zoos in Krefeld, Rostock und Karlsruhe betreute.

Drei Tier-Liebhaber haben sich heute eingefunden. Corinna Köhn stopft Leinensäcke mit Holzwolle aus, versteckt Leckerlis im Gewirr. Plastikflaschen werden mit Stroh gefüllt, darin vergräbt Angela Krüger Datteln und Erdnüsse.

Warum sind die drei Damen hier? Thea-Maria Buchmann-Dick spricht für alle. „Wir finden es toll, dass die Tiere wieder beschäftigt werden dürfen“, sagt sie. Seit 20 Jahren lebt sie in Berlin, kommt oft in Zoo und Tierpark – ein echter Fan. „Da möchte man sich natürlich einbringen.“

Kein Spiel-Tag ist wie der andere, immer müssen neue Ideen her, denn die Tiere sind intelligent, sagt Peter. Und wenn ein Tier nicht versteht, was es tun soll – nicht schlimm. „Bei Menschenaffen spielt Nachahmung eine große Rolle“, sagt Peter. „Wenn einer nicht begreift, was er tun soll, guckt er es sich bei den anderen ab.“

Mit Kisten und Tüten ziehen die Tier-Fans los, bringen ihre Werke zu den Tieren. Im Affenhaus wartet schon Tierpfleger Christian Aust – er verteilt die Säcke im Gehege der Orang-Utans. Jeder Affe krallt sich ein Säckchen, dann wird ausgepackt. Die Freude ist groß, auch bei den Schimpansen, die sich gleich ans Aufpuhlen der Reisbälle machen.

Die Besucher staunen, die Schimpansen sind glücklich – ein perfekter Tag im Affenhaus. Doch die Arbeit ist noch lange nicht beendet. Es geht zurück ins Hühnerhaus, weiterbasteln. Auch andere Tiere wollen spielen – jetzt sind die Stachelschweine dran.

Infos: www.zoo-berlin.de, Tel. 0178/7200 975, Kosten:  110 Euro inklusive Eintritt in den Zoo 



Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?