Lange Kundenschlangen bestimmten das Einkaufsleben der DDR-Bürger. Foto: imago-images/Seeliger

Leere Regale im Laden und die Kunst, in Notzeiten zu improvisieren: Wer im Osten der Stadt aufgewachsen ist, kennt das bereits aus längst vergangenen Tagen. Denn mit der Corona-Krise in Berlin lebt auch ein wenig der DDR-Alltag wieder auf.

Es gibt kein Klopapier. Das Mehl ist auch aus den Regalen verschwunden. Und wer abends in den Supermarkt kommt, findet noch nicht einmal eine Packung Milch vor. Wer im einstigen Westen Berlins oder Deutschlands zur Welt kam, der betritt mit der jetzigen Situation Neuland. Denn im Westen gab es reichlich Lebensmittel in den Läden. Anstehen nach Ware gab es nicht. Davon konnten DDR-Bürger nur träumen.

Nun erfahren in der Corona-Krise alle Berliner, was   es heißt, in Mangelzeiten leben zu müssen. Und jeder nutzt dabei die Erfahrungen der Ostdeutschen.

Zwischenmenschliche Kontakte sind wieder gefragt

Zwischenmenschliche Kontakte sind wieder gefragt, die in der Krise nützlich sein können. Wer in der DDR freundlich zur  Verkäuferin war, erfuhr, wann es wieder Milch oder Mehl oder sogar ungarische Salami in den Kaufhallen gab. Zugegeben, dass ist heute etwas schwieriger. Denn der Verkäufer kann oft nicht mit Bestimmtheit sagen, wann die nächste Lieferung mit den begehrten Produkten kommt. Aber ein nettes Gespräch an der Ladenkasse kann nie schaden, um wichtige Informationen zu bekommen.

In Notzeiten wie diesen rücken die Menschen enger zusammen. So war es auch in der DDR. Nachbarschaftshilfe musste nicht staatlich verordnet werden. Man unterstützte sich im Haus, brachte vor allem älteren Menschen Lebensmittel mit, die nicht im Laden nach Südfrüchten anstehen konnten. Klar, die Nachbarschaftshilfe wurde in der DDR auch zum profitablen Tauschhandel: Ein Kilo Spargel gegen Trabi-Ersatzteil oder Werkstatt-Termin, das war keine Seltenheit.

Einkaufsalltag in der DDR: Leere Kisten vor Obst- und Gemüse-Läden waren nicht selten. Foto: imago-images/Karo

Wenn es etwas im SED-Staat nicht gab, musste oft improvisiert werden. In der Kaufhalle kaufte man, was da war, zauberte daraus leckere Gerichte. Aus Jagdwurst wurde Jägerschnitzel. Keine schicken Klamotten im Laden: In der DDR nähten sich viele Frauen aus Stoffresten tolle Kleider. So wie man sich heute Schutzmasken aus Stoff selber näht.

Sogar das Fernsehen hat in der Corona-Krise die DDR wiederentdeckt. „Der RBB macht Fitness“, gibt es täglich um 9 und 14 Uhr im Internet zu sehen. Trainer zeigen von Kindertanz bis Powertraining, wie man auch daheim Sport treiben kann.  Das gab es auch schon im DDR-Fernsehen mit der Sendung „Medizin nach Noten“.