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Zufallsfund in Zossen: 5000 Jahre altes Steinbeil bei Bauarbeiten entdeckt

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Gut erhalten die Zeit überdauert: das Beil aus Feuerstein

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Landkreis Teltow-Fläming/dpa

Zossen -

Da staunten die Arbeiter nicht schlecht. Beim Bau eines Wohngebietes in Zossen holten sie ein 5000 Jahre altes Beil aus der Erde. Das braune Ding aus der Steinzeit ist für Experten ein großes Rätsel.

Es ist zwölf Zentimeter lang, über fünf Zentimeter breit: Nach dem Ausheben einer Baugrube wurde das wertvolle Objekt in einem 50 Kubikmeter großen Schuttberg entdeckt. Für den Laien sieht es eigentlich wie ein ganz normaler Stein aus.

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Zufallsfund: Das ungewöhnliche Stück passte nicht in die Umgebung.

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dpa

Für Archäologe Stefan Pratsch ist er eine kleine Sensation. Mit Kennerblick sah der Experte sofort, dass dieser 228 Gramm schwere Stein in Wahrheit ein Beil sein muss, das scheinbar aus der Jungsteinzeit stammt. Pratsch begleitete die Bauarbeiten an dem neuen Wohngebiet, weil er dort so einige Schätze im Boden vermutet.

Das entdeckte, ungewöhnliche Stück ist in seinen 23 Jahren Arbeit als Archäologe der erste Fund eines Steinzeit-Beiles. Pratsch datiert es nach der Form und Herstellung in die zweite Hälfte des 4. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung. „Es wurde aus einem Rohling geschliffen, ein Teil des Werkzeuges ist abgebrochen“, sagt er.

Für den Experten ist allerdings rätselhaft, woher eigentlich das Beil wirklich herstammt. Denn es wurde aus braunen Feuerstein gefertigt. Und den konnten die Zossener Steinzeitmenschen in ihrer Umgebung nicht finden. Zwar gibt es Feuersteinfunde, aber diese sind schwarz oder grau, stammen meist aus der Ostseeregion bei Rügen. Brauner Feuerstein kommt aber eher in Dänemark, bei Aachen oder in Frankreich vor.

Wie kam also der Werkstoff, aus dem das Beil entstand, vor über 5000 Jahren nach Zossen. Vermutlich betrieben die dortigen Steinzeitmenschen schon Handel, vermutet Pratsch. Genaueres sollen nun die Experten vom Archäologischen Landesmuseum in Wünsdorf klären, wo das Beil jetzt weiter untersucht wird.