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Nur für Erwachsene: Verstößt das Kinderhasser-Hotel gegen die Menschenrechte?

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Über dem Wellness-Hotel „Esplanade“ ziehen dunkle Wolken auf. Hotelchef Tom Cudok sieht dem Verfahren gelassen entgegen. 

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dpa

Bad Saarow -

Als erstes Hotel in Deutschland führte das „Esplanade“ in Bad Saarow vor drei Monaten ein Mindestalter für seine Gäste ein. Kinder unter 16 Jahren müssen draußen bleiben (der KURIER berichtete). Das ärgert den EU-Parlamentarier Arne Gericke, der jetzt sogar die EU-Menschenrechtsagentur einschaltete.

Arne Gericke von der Familienpartei kämpft natürlich für die Familie. Ein Hotel, das Kinder nicht ins Haus lässt, geht ihm gegen die Hutschnur. Und so beschwerte er sich bei der EU-Menschenrechtsagentur, die prüfen soll, ob Grundrechte verletzt wurden. Klingt absurd? Aber: Laut Artikel 19 des EU-Vertrages ist Diskriminierung wegen Geschlecht, Rasse oder Alter verboten. Gericke will gegen den „gefährlichen Trend“ vorgehen. „Welche Bevölkerungsgruppen wollen sie als Nächstes aussperren? Man stelle sich vor, es gäbe seniorenfreie Einkaufszentren oder frauenfreie Cafés.“

Esplanade-Hotelchef Tom Cudok sieht die Attacke gelassen. „In Familienhotels haben Alleinstehende auch keinen Zutritt.“ Von Anfang an polarisierte Cudok mit seinem Kinderlos-Konzept. Um Gästen Ruhe zu garantieren, heißt es seit November: Kein Zutritt für Kinder. Viele Familien mit Rasselbande schauten nicht schlecht, als sie auf einmal nicht mehr buchen durften.

„Wir haben viele negative, emotional aufgeladene Hass-Mails bekommen“, sagt der Hotelchef. „Überwiegend gab es aber positive Antworten.“ Den Vorwurf der Kinderfeindlichkeit weist er aber zurück.

Er hat sich mit seiner Idee konsequent für ein 170-Zimmer-Haus für die 30- bis 60- Jährigen entschieden. „Wir haben dadurch viele Stammgäste verloren, aber auch etliche dazugewonnen.“ Nach einem viertel Jahr zieht er eine positive Bilanz. Er sagt aber auch: „Sollte festgestellt werden, dass wir tatsächlich gegen Gesetze verstoßen, müssen wir uns ein anderes Konzept einfallen lassen.“

Zwingen kann ihn die Menschenrechtsagentur, die die EU in Grundrechtsfragen berät, aber nicht. Denn rechtlich ist die Entscheidung des Chefs unbedenklich. 2013 entschied das Landgericht Hannover, dass Hoteliers selbst bestimmen können, mit wem sie Verträge abschließen.

Das weiß Gericke natürlich auch. Er zielt mit seiner Aktion eher auf öffentliche Aufmerksamkeit. Wenn die EU-Menschenrechtsagentur dem Antrag zustimmen würde, hätte das mehr Gewicht.