E_Paper_BK
BERLINER KURIER - Berlins ehrliche Boulevardzeitung im Netz

Energie-Giganten: „Diese Windräder machen mich krank“

Robert Niebach mit seinem Protest-Plakat, mit dem er bei der Regionalkonferenz auffiel.

Robert Niebach mit seinem Protest-Plakat, mit dem er bei der Regionalkonferenz auffiel.

Foto:

Kaufhold

Wallmow -

Um der Großstadt-Hektik mit permanenten Geräuschen und den Millionen Lichtern zu entfliehen, war Robert Niebach vor Jahren von Berlin ins Uckermark-Dorf Wallmow gezogen. Ruhe und Natur wollte er genießen. Doch die Toskana des Nordens, wie die sanfthügelige Uckermark auch genannt wird, machte ihn krank. Nicht das Wetter ist Schuld oder heimtückische Stechinsekten. „Ich leide am Windkraftsyndrom“, sagt der 60-Jährige.

„Es fing mit Unwohlsein an“, klagt Robert Niebach, der ursprünglich Modedesigner war, dann auf Öko-Metzger umsattelte und 1995 mit seinen zwei Läden in Berlin vom Magazin „Der Feinschmecker“ in die Liste der 500 besten deutschen Metzgereien aufgenommen wurde. „Ich bekam in Schüben Kopfschmerzen, hohen Blutdruck, mein Puls raste. Das Schlimmste aber sind die Schlafstörungen.“ Niebach ging es so dreckig, dass er für zwei Monate 40 Kilometer entfernt bei Freunden unterkroch, „um mich zu normalisieren.“

Einen Zusammenhang mit den Windrädern stellte er zunächst nicht her. „Ich bin doch kein Psychopath.“. Doch dann stieß Niebach auf eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts und ist sich sicher: „Ich leide am Windkraftsyndrom. Der Infraschall der Räder bringt meinen Organismus durcheinander.“ Ärzte können ihm nicht helfen. Einer habe ihm geraten: „Ziehen sie weg, um gesund zu werden.“

Doch bislang will niemand Niebachs Haus haben. Nur etwa 800 Meter dahinter steht seit gut einem Jahr das erste von 18 Windrädern, jedes 180 Meter hoch. Niebach: „Wenn der Wind ungünstig steht, hört man ständig Geräusche wie – fffft. Verursacht durch die Flügel. Ich spüre pulsierende Vibrationen, und nachts machen einen die vielen blinkenden roten Lichter irre.“

Ganz zu schweigen von den Tieren, die durch die Räder „geschreddert“ werden. Anfang der Woche stellte der Naturschutzbund Zahlen vor: An 138 Windrädern wurden innerhalb von zehn Jahren 212 tote Fledermäuse, an 148 Rädern 133 tote Vögel entdeckt. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Tobias Dürr, staatlicher Vogelschutzwart in Brandenburg. „Rechnet man diese Zahl auf die über 3000 Windkraftanlagen im Land hoch, sterben durch sie jährlich 15 000 Fledermäuse und 12 500 Vögel.“

„Und wir sind allem hilflos ausgesetzt“, sagt Niebach. Um wenigstens die Gesundheit der Menschen zu schützen, forderten Kritiker wie er in einer Petition an den Bundestag zwischen Häusern und Windrädern einen Mindestabstand von mindestens 1500 Metern.

Eine, die den Kampf gegen die Windräder gewonnen hat, ist Angela Fensch. Die 59-Jährige prozessierte Ende der 90er gegen ein Rad, das 280 Meter vor ihrem Haus in Bertikow (Uckermark) gebaut werden sollte. Mit ihrer Klage scheiterte sie, doch der Investor gab nach nicht enden wollenden Protesten ihrer Bürgerbewegung entnervt auf. Doch der jahrelange Widerstand hat Angela Fenschs Kraft aufgebraucht, „ich kann nicht mehr“. Bei Niebach ist es umgekehrt.

„Der Kampf gegen Windräder gibt mir wieder Kraft“, sagt Niebach. Mit seinem Protestplakat „Krank durch Infraschall!“ machte er jüngst auf der Regionalkonferenz in Eberswalde auf sich aufmerksam. Dort ging es auch um die Energiestrategie des Landes, die den Bau von Windrädern beschleunigen soll. 600 Quadratkilometer Fläche sollen dafür zur Verfügung gestellt werden. „Ohne konkrete Vorgaben und Kriterien akzeptieren wir das nicht“, sagte Saskia Ludwig, CDU-Fraktionschefin im Landtag. Für den 5. März (19 Uhr) hat sie Bürgerinitiativen zum Gespräch ins Dorfgemeinschaftshaus nach Diepensee (Dahme-Spreewald) eingeladen.