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Was die Pflegekassen zahlen und was man selbst tragen muss: Das kostet der Hausnotruf


Mit zunehmendem Alter können Erkrankungen und körperliche Beeinträchtigungen zunehmen. Aber die meisten Senioren möchten das vertraute Umfeld nicht verlassen, so die Berliner Altersstudie. Ein Heimplatz kommt erst in Frage, wenn es wirklich nicht mehr geht, keine Hilfe in der Nähe ist. Ein Hausnotruf kann helfen, sicher allein zu Hause zu leben. Die Kosten für die Bereitstellung des Hausnotrufes in Höhe von 10,23 bzw. 10,49 Euro sowie die monatliche Pauschale in Höhe von 17,90 bzw. 18,36 Euro werden von der Pflegekasse ab Pflegestufe 1 auf Antrag übernommen. In der Regel trägt die Kasse die Kosten aber nur, wenn der Betroffene allein lebt oder über weite Teile des Tages allein ist. Viele Anbieter übernehmen die Antragstellung bei der Kasse. Liegt keine Pflegestufe vor, sind die Gebühren selbst zu tragen. Dazu kommen dann noch die Telefongebühren für den Anruf beim Hausnotrufdienst. Die mit dem Hausnotruf einhergehenden notwendigen medizinischen Leistungen werden - wie beim Notruf 112 auch - von den Krankenkassen übernommen. Für die Bereitstellung muss man bei den verschiedenen Hausnotrufanbietern mit ca. 10 bis 40 Euro rechnen. Den Basis-Tarif gibt es ab 17,90 Euro im Monat. Er beinhaltet u. a. die Wartung und Benachrichtigung von Kontaktpersonen im Notfall. Wermutstropfen: Wird der Schlüssel beim Anbieter hinterlegt, ist das extra zu bezahlen. Dieser Betrag für die Schlüsselhinterlegung wird aber von der Pflegekasse nicht übernommen. Den Schlüssel zu hinterlegen kann sinnvoll sein, weil der Rettungsdienst sonst im Notfall die Tür aufbrechen müsste. Selbst wenn der Nachbar oder Verwandte einen Schlüssel haben, kann man nicht davon ausgehen, dass die immer zu Hause sind. Die meisten Hilfsorganisationen bieten Hausnotruf auch als Servicepaket bereits mit Schlüsselhinterlegung und Bereitschaftsdienst an. Fragen Sie vor Vertragsabschluss nach versteckten Nebenkosten und nach den Kündigungsfristen. Mehr Infos: www.initiative-hausnotruf.de Die Neue Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern hat eine Checkliste erstellt, die bei der Auswahl eines Hausnotrufdienstes hilft: Download unter www.nvzmv.de, Link Pressearchiv, Mitteilungen 2008. ------------------------------ Haben Sie Fragen? Sie haben Fragen zum Hausnotruf und zu anderen Hilfen im Alter? Sie möchten wissen, wofür es finanzielle Unterstützung gibt? Morgen, am 30. Januar, beantworten die Experten Michael Pfeiffer vom Deutschen Roten Kreuz Berlin, Klaus Kaiser vom Malteser Hilfsdienst und Sandra Zitzer von der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Ihre Fragen. Rufen Sie zwischen 11 und 13 Uhr unter Telefon 030/23 27 60 01 an. ------------------------------ Wie funktioniert das eigentlich? Über einen Sender wird Hilfe organisiert 1. Bei Unwohlsein oder im Notfall drückt der Betroffene den am Körper getragenen so genannten Funkfinger, den man als Kette, als Armband oder im Uhrenformat bei sich haben kann. 2.Der Notknopf sendet den Notruf an ein telefongroßes Hauptgerät in der Wohnung, welches automatisch die 24-Stunden-Notrufzentrale anfunkt. 3.Die Notrufzentrale versucht umgehend über die Lautsprecherfunktion am Hauptgerät Sprechkontakt mit dem Patienten herzustellen. Durch die Rück-sprache kann eine vereinbarte Kontaktperson (Nachbarn, Hausarzt, Familie) bzw. der Bereitschafts- oder Notdienst informiert werden. Antwortet der Hausnotrufteilnehmer nicht, wird automatisch der Rettungswagen verständigt. 4.Die Einsatzzentrale hat alle wichtigen Informationen zur Person wie Name, Anschrift, Angehörige, behandelnde Ärzte, Krankengeschichte etc. Ist ein Zweitschlüssel für den ungehinderten Zugang zu Haus und Wohnung direkt in der Einsatzzentrale hinterlegt, spart das lebenswichtige Zeit und Kosten für den Schlüsseldienst, wenn der Patient die Wohnungstür nicht selber öffnen kann oder ein Verwandter nicht gleich in der Nähe ist. 5.Eintreffen des Rettungsdienstes oder der Kontaktperson vor Ort und Sicherstellung der weiteren Versorgung. Quelle: Initiative Hausnotruf ------------------------------ Brauche ich das Gerät Checkliste Wenn Sie oder Ihre Verwandten die folgenden Fragen ehrlich beantworten, können Sie herausfinden, ob der Hausnotruf für Sie interessant ist: Sie sind über 65 Jahre alt. Sie leben alleine in Ihrer Wohnung bzw. mit einem gesundheitlich eingeschränkten Partner. Sie möchten so lange es geht in Ihren eigenen vier Wänden wohnen und die notwendige Sicherheit haben, wenn etwas passieren sollte, zuverlässige Hilfe zu bekommen. Sie fühlen sich nicht mehr so sicher auf den Beinen. Sie sind schon in Ihrer Wohnung ausgerutscht oder gestürzt. Sie leiden unter Asthma, Diabetes mellitus, Epilepsie, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Osteoporose. Ihre Angehörigen wohnen weit weg oder sind auch mal im Urlaub. Sie sind gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden und brauchen eventuell Unterstützung. Sie können nicht mehr so gut sehen. Ihr Hörvermögen lässt nach. Sie fühlen sich manchmal ängstlich oder unsicher. Sie nehmen ihre Tabletten unregelmäßiger ein, als der Arzt verschrieben hat. Sollten mehr als drei Kriterien auf Sie oder Ihre Verwandten zutreffen, sollten Sie den Hausnotruf in Betracht ziehen. Die Wohlfahrtsverbände informieren unverbindlich. Quelle: Initiative Hausnotruf ------------------------------ Die Anbieter in Berlin Alle Gebühren, alle Leistungen und alle Adressen Deutsches Rotes Kreuz: Anschlussgebühren: 10,49 Euro, Grundgebühr/Monat: 18,36 Euro, Schlüsselhinterlegung: 23 Euro, eigener Bereitschaftsdienst, Telefongebühren: Ortstarif. Infos und Anmeldung: Tel. 030/600 300, www.drk-berlin.de Johanniter-Hausnotruf: Basis-Paket: 17,90 Euro monatlich, keine Anschlussgebühren, Gebühr für Schlüsselhinterlegung: 21,50 Euro/Monat, eigener Bereitschaftsdienst, Telefongebühren: 14 Cent/Min. (Kosten abhängig vom Telefonprovider). Infos und Anmeldung: Tel. 0800/564 26 64, www.johanniter.de Malteser Hilfsdienst: Der Hausnotruf wird als Basispaket oder inklusiver Schlüsselhinterlegung und Bereitschaftsdienst angeboten. Letzteres kostet bei Anmeldung bis zum 31. März noch 39,90 Euro. Die Installation und der erste Monat sind gratis, wenn das Paket über Tchibo gebucht wird. Ansonsten kostet der Hausnotruf 41,26 Euro im Monat, Telefongebühren: 14 Cent/Min. Infos und Anmeldung: Tel. 030/348 00 30, www.malteser.de. SOPHIA: für Mieter der Degewo, der HOWOGE sowie Stadt und Land. Installationsgebühr: 40 Euro, monatliche Gebühr inkl. Schlüsselhinterlegung und anderen Leistungen 33,90 Euro, für Nichtmieter: 43,90 Euro, Telefongebühren: 6 Cent je Gespräch. Infos und Anmeldung: Tel. 93 02 08 70, www.sophia-berlin.de SONOTEL: Bereitstellung: 10,23 Euro, monatliche Pauschale 17,90 Euro, Schlüsselhinterlegung bei Bezugspersonen, Pflegepartnern oder im kostenfreien Schlüsselsafe, nicht beim Anbieter selbst, sondern bei benannten Personen, Telefongebühren: übliche Tarife. Infos und Anmeldung: Tel. 040/86 66 64 10. Volkssolidariät: Installation: 10,23 Euro bis 25,25 Euro, Gebühr je Monat: 17,90 bis 25,56 Euro. Der Schlüssel kann direkt in einem Safe an der Wohnungstür bzw. Wand (Genehmigung des Vermieters erforderlich) oder bei Zusatzvereinbarung bei Sozialstationen hinterlegt werden. Telefongebühren: Festnetztarif. Infos und Anmeldung: Tel. 03843/7450, www.volkssolidaritaet.de BeWo-Begleitet Wohnen gGmbH: Anschluss: 10,49 Euro, Grundgebühr im Monat: 18,36 Euro, Schlüsselhinterlegung und Bereitschaftsdienst: 20 Euro, Telefongebühren: Ortstarif Infos und Anmeldung: Tel. 0561/98 20 40, www.begleitet-wohnen.de ------------------------------ Grafik: Wie funktioniert ein Hausnotruf ?; Quelle: Deutsches Rotes Kreuz ------------------------------ BU: Das Gerät (o. li.) kann mit einem IR- bzw. Gas-Melder sowie Bettalarm kombiniert werden. BU: Über das Sicherheitsarmband werden Bewegungen, Körper-Temperatur und Hautzustand ermittelt. Bei Veränderungen im Vergleich zum normalen Aktivitätsprofil wird ein Alarm ausgelöst. Fotos: BeckerBredel, zVg (4)

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